Die Ernährungsberatung spielt bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen in der Naturheilkunde traditionell eine große Rolle, obgleich über den Stellenwert sogenannter "Rheumadiäten" in der Vergangenheit häufig gestritten wurde.
Neuere Untersuchungen und Studien zeigen aber, dass diätetische Maßnahmen einen positiven Einfluss auf Beschwerden, Krankheitsverlauf und Allgemeinzustand haben.
Da rheumatische Erkrankungen häufig einen chronischen Verlauf zeigen, muss auch eine Ernährungstherapie grundsätzlich langfristig angelegt sein.
Daneben muss eine entsprechende Ernährungstherapie die krankheitsspezifischen Veränderungen der Nährstoffaufnahme, des Stoffwechsels und des Immunsystems berücksichtigen.
Wichtige Bestandteile eines solchen Ernährungskonzeptes sind heute Fasten- bzw. Rohkostperioden am Anfang bzw. bei Schüben, gefolgt von einer Umstellung auf eine lactovegetabile Vollwerternährung sowie die nahrungsergänzende Zufuhr von entzündungs- und stoffwechselbeeinflussenden bioaktiven Mikronährstoffen.
Ziel der Ernährungsmaßnahmen ist eine Unterstützung der medikamentösen, physikalischen und ggf. naturheilkundlichen Therapie über eine langfristige diätetische Entzündungshemmung.
Die anfängliche Fastendauer muss auf die individuelle Ausgangssituation des Kranken, insbesondere seine verbliebenen Ressourcen und seine Fähigkeit zur Selbstregulation abgestimmt sein. Das Fasten in dieser Situation unterscheidet sich teilweise deutlich vom "Fasten für Gesunde" und erfordert die Betreuung und Überwachung durch einen erfahrenen Fastenarzt bzw. eine Fastenärztin, möglichst in Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen.
Dem Fasten folgt ein stufenweißer Kostaufbau, der unter Berücksichtigung individueller Nahrungsmittelunverträglichkeiten in eine ausgewogene Vollwertkost führt. Nahrungsmittel, die häufig zu einer stärkeren Entzündungsaktivität führen sind z.B. Fleisch und Wurstwaren, Zucker, Weißmehl, Alkohol, gehärtete Fette und erhitzte Milchprodukte.
Das Konzept der Vollwerternährung ist durch eine gezielte Auswahl und Zubereitung von Nahrungsmitteln charakterisiert, um eine energiereduzierte, fettarme Kostform mit einem hohen Anteil an Vitaminen (insbesondere Vitamin C und E) und Carotinoiden zu erreichen. Im Mittelpunkt stehen pflanzliche Nahrungsmittel (Getreideprodukte, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Hülsenfrüchte etc.) sowie Milch und Milchprodukte. Zusätzlich können in geringen Mengen auch Eier sowie Fisch und Fleisch das Nahrungsangebot ergänzen.
Bevorzugt werden möglichst natürliche, d.h. wenig bearbeitete Lebensmittel, wobei etwa die Hälfte der Nahrungsmenge aus unerhitzter Frischkost bestehen soll.
Eine solche Vollwerternährung ist als Dauerkostform geeignet und lässt sich gut im Alltag umsetzen. Voraussetzung sind eine kompetente begleitende Ernährungsberatung und wiederholte Schulungen.
Arachidonsäure und Entzündung
Arachidonsäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure und wird ausschließlich über tierische Nahrungsmittel (vor allem tierische Fette, Fleisch, Wurstwaren, Eier usw.) aufgenommen. Die Arachidonsäure führt zur Bildung bestimmter Eikkosanoide, die u.a. bei der Auslösung von Gelenkentzündungen eine große Rolle spielen. Fasten und Diätformen, die arm an tierischen Nahrungsmitteln sind, können einen erhöhten Arachidonsäurespiegel senken und damit die Entzündungsaktivität bei rheumatischen Erkrankungen vermindern. Dieser Effekt tritt allerdings mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung ein, da Arachidonsäure nur langsam abgebaut wird.
Entzündungshemmung durch Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren und kommen vorwiegend in Pflanzenölen (alpha-Linolensäure) sowie in Kaltwasserfischen und Meerestieren vor. Bestimmte Omega-3-Fettsäuren blockieren den entzündungsauslösenden bzw. verstärkenden Effekt der Arachidonsäure (s.o.). Aufgrund der vorliegenden Studien kann es als gesichert gelten, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren entzündlich rheumatische Erkrankungen günstig beeinflusst.
Empfohlen werden 1-2 Gramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag, kurzfristig am Anfang oder in Schubsituationen auch mehr. Diese Mengen können mit einer "normalen", insbesondere vegetarischen Ernährung meist nicht zugeführt werden, so dass man hier auf Nahrungsergänzungen zurückgreifen muss.
Vitamin C und E: Schutz vor freien Radikalen
Im Verlauf von rheumatischen Entzündungen entstehen große Mengen Sauerstoffradikale. Dies sind aggressive Stoffwechselzwischenprodukte, die ihrerseits in der Lage sind, Zellen und Gewebe anzugreifen und damit den Entzündungsprozess im betroffenen Gelenk zu verstärken. Einen wirksamen Schutz vor diesen aggressiven Sauerstoffverbindungen bieten neben körpereigenen Enzymen vor allem die von außen zugeführten Antioxidantien (Vitamin C, E, Beta-Karotin u.a.).
Vitamin E beeinflusst darüber hinaus den Stoffwechsel der Arachidonsäure (s.o.) und verhindert den Anstieg verschiedener entzündungsauslösender Stoffe (bestimmter Zytokine) und wirkt damit über immunologische Faktoren der Entzündung entgegen.
Selen wirkt antioxidativ und immunmodulierend
Selen ist ein essentielles Spurenelement d.h. es ist lebensnotwendig und der Körper ist auf eine Zufuhr von außen angewiesen. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Inaktivierung freier Radikale (s.o.) und entfaltet verschiedene Effekte im Bereich des Immunsystems. Dies ist vermutliche auch der Grund, warum der Ausgleich eines Selenmangels bzw. die zusätzliche therapeutische Gabe von Selen oftmals den Krankheitsverlauf bei Rheumatikern positiv beeinflusst. Bei vielen entzündlichen Rheumaformen handelt es sich nämlich um Autoimmunerkrankungen, also einen "Angriff" des Immunsystems auf körpereigene Gewebe (z.B. die Gelenkbinnenhaut). Bei Rheumatikern ist die Selenkonzentration im Blut oft vermindert.
Einsparung von Schmerzmitteln durch B-Vitamine
Die Erfahrung zeigt, dass sich bei vermehrter Zufuhr von Vitaminen der B-Gruppe (z.B. B1, B6, B12) über das lebensnotwendige Maß hinaus, das psychische Befinden verbessert und die Schmerzempfindlichkeit nachlässt. Auch in einer neueren Studie konnte damit eine Verringerung des Schmerzmittelverbrauchs bei Rheumatikern nachgewiesen werden. B-Vitamine sind übrigens als bioaktive "neurotrope" (d.h. die Nervenfunktion beeinflussende) Mikronährstoffe in der Erfahrungsheilkunde und Orthomolekularen Medizin schon lange bekannt.
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Ernährungsempfehlungen für Rheumapatienten
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Zeitweiliges Fasten unter ärztlicher Überwachung
- Umstellung auf eine vorwiegend lactovegetabile Vollwerternährung
- (lactovegetabil = vegetarisch unter Einschluss von Milch und Milchprodukten),
- insbesondere mit Reduktion von Fleisch und Fleischprodukten.
- Regelmäßiger Genuss von Seefisch (Makrele, Kabeljau, Lachs etc.)
- und Verwendung hochwertiger Pflanzenöle (Soja-, Raps-, Walnussöl etc.)
- Aufnahme kalziumreicher Lebensmittel und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
- (Sonne führt in der Haut zur Bildung von Vitamin D3, das die Kalziumaufnahme ermöglicht),
- um der Entstehung einer Osteoporose vorzubeugen.
- Bedarfsgerechte Ergänzung von Vitaminen (B, C, E), Selen und Omega-3-Fettsäuren.
- Einschränkung bzw. Verzicht auf Alkohol und Nikotin.
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