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Rheuma – ein Begriff, der für eine Vielzahl von verschiedensten Erkrankungen stehen kann. Rheuma, das sind per definitionem Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat mit fließenden, reißenden oder ziehenden Schmerzen. Schmerzen, die Betroffene stark einschränken in der Bewegung, sei es im Privat- oder im Berufsleben. Allein die Tatsache, dass der Begriff Rheuma stellvertretend für 200 – 400 verschiedene Krankheiten steht, macht klar, dass ein Universalmittel zur Behandlung von Rheuma nicht existieren kann.
Rheumatologen gehen nach sogenannten Leitlinien zur Diagnose und Therapie von rheumatischen Erkrankungen vor. Der Einsatz von Schmerzmitteln, Entzündungshemmern bis hin zu Cortison und Immunsuppressiva ist Standard in der Behandlung verschiedener Erkrankungen des „rheumatischen Formenkreises“.
Nicht jedem hilft die klassische Vorgehensweise, nicht immer lassen sich Symptome lindern oder gar beheben. Nicht immer ist das Nachlassen der Symptome (die sogenannte Remission) von Dauer. Und niemals ist die medikamentöse Behandlung frei von Nebenwirkungen. In den häufigsten Fällen geht es einfach nicht ohne Medikamente, denn Schmerzen und Einschränkungen sind für Betroffene einfach zu groß. Sich aber ausschließlich auf diese Medikamente zu verlassen, ist kurzsichtig, denn – wie schon erwähnt – es mag sein, dass sie bei dem einen oder anderen nicht ansprechen oder gar nur über einen gewissen Zeitraum anwendbar sind – wegen Gewöhnung, Nebenwirkungen....o.ä.
Wissenschaftler, Mediziner und Naturheilkundler suchen seit Jahren nach Möglichkeiten, den Einsatz von nebenwirkungsstarken Medikamenten bei Rheumatikern so weit wie möglich zu senken. Da es sich um eine Volkskrankheit handelt, also das Auftreten in der Bevölkerung unwahrscheinlich groß ist, ist das öffentliche Interesse – und so vielleicht auch der Druck – entsprechend groß, Lösungen zu entwickeln. Und der Markt „Rheuma“ verspricht eben auch große Einkommen in der Pharma-Industrie, weshalb geforscht und gesucht wird „ bis der Arzt kommt“.
Was die Ursache von Rheuma ist, ist schwer zu erklären bzw. oftmals bisher noch gar nicht erkannt. Wie sollte man auch, wenn es sich hierbei um bis zu 400 verschiedene Krankheitsbilder handeln kann? Grob unterscheidet man zwischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, degenerativen (zu deutsch „verschleißbedingten“) rheumatischen Erkrankungen und rheumatischen Entzündungen der Weichteile.
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen, das sind beispielsweise Rheumatoide Arthritis (chron. Polyarthritis), Spondylitis ankylans (besser bekannt als Morbus Bechterew), Juvenile idiopathische Arthritis (Arthritis in Kindesalter) oder Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen) und Vaskulitiden (entzündliche Gefäßerkrankungen). Entzündlich-rheumatische Erkrankungen beruhen auf einer Autoimmunerkrankung – so wie Diabetes mellitus Typ I oder Schilddrüsenerkrankungen. Autoimmunerkrankungen basieren auf einem fehlgeleiteten Immunsystem, das fälschlicherweise körpereigene Zellen als gefährliche Eindringlinge erkennt und „unter Beschuss nimmt“.
Degenerative rheumatische Beschwerden sind Arthrosen.
Rheumatische Erkrankungen der Weichteile, das können sein Fibromyalgie (eine chronische Schmerzerkrankung) oder Polymyalgie rheumatica (entzündlicher Weichteilrheumatismus).
Wer kommentarlos verschriebene Medikamente schluckt und keine Eigenverantwortung für seine Krankheit übernehmen will, der sei im Erkrankungsfall ausschließlich an einen internistischen oder orthopädischen Rheumatologen verwiesen. Der jeweilige Rheumatologe wird – sofern vorhanden – den gängigen Leitlinien folgen, denn sie gelten als „State of the Art“ und das ist sicher auch gut so. Wer allerdings mehr wissen will, wer aktiv dazu beitragen will, die Menge an nebenwirkungsstarken Medikamenten, die er einnimmt, auf einem möglichst niedrigen Level zu halten, der sei informiert: es gibt mehr Dinge in der Behandlung von Rheumatikern, als nur die gängigen Leitlinien. Wenn Sie noch ganz am Anfang einer Therapie stehen, womöglich gerade erst die Diagnose „Rheuma“ erhalten haben – oder die gängige Therapie einfach nicht bei Ihnen ansprechen will, dann ist es vielleicht einmal Zeit, neue Wege zu gehen.
Wir können jedem Betroffenen nur empfehlen, sich über seine Krankheit und die bestehenden Leitlinien zu informieren und einen Termin beim Rheumatologen zu vereinbaren. Darüber hinaus gibt es Vieles, das vielleicht einmal einen Versuch wert wäre. Schauen wir uns einmal an, wo im Körper Ansatzpunkte wären (zu genannten Themen finden Sie Artikel auf dieser Website):
Kopf
Wissen ist Macht. Informieren Sie sich über Ihre Krankheit und die bestehenden Leitlinien. Machen Sie einen Termin beim Rheumatologen und werden Sie zum „informierten Patienten“, den sich Rheumatologen laut aktuellen Umfragen so sehr wünschen.
Körperliche Entspannung – beispielsweise durch Wärme (Peloidtherapien wie Fango- oder Moorpackungen), Floating oder andere Ganzkörperwärmetherapien und geistige Entspannung, das Vermeiden von Stress, autogenes Training, Meditation und Selbsthypnose können helfen, Schmerzen zu lindern oder zu bewältigen, wenn man einfach lernen muss, damit zu leben.
Psychotherapie kann helfen, Mitauslöser für die Krankheit zu orten (besonders im Fall der auf einer Autoimmunerkrankung basierenden rheumatischen Beschwerden) und vielleicht erforderliche Änderungen in Privat- und Berufsleben herbei zu führen. Der Stellenwert der Psyche bei rheumatischen Erkrankungen wird heute meist immer noch – zu Unrecht, wie wir meinen - unterschätzt, obwohl es sich bei Rheuma nachweislich auch um eine psychosomatische Erkrankung handelt.
Warum helfen uns Placebos? Auch den Placebo-Effekt oder die positive Wirkung von mehr persönlicher Hinwendung durch den behandelnden Arzt lässt sich mit der Wirkung der Psyche auf den Körper erklären.
Dauerhaft ohne Schmerzlinderung zu leben, kann keine Alternative sein, auch wenn man befürchtet, schwere Nebenwirkungen bei Einsatz von Schmerzmitteln erdulden zu müssen. Zu groß ist die Gefahr, dass sich ein sogenanntes „Schmerzgedächtnis“ aufbaut, also die Symptome bestehen bleiben, selbst wenn die Schmerzursache längst eliminiert ist.
Lunge
Machen Sie Schluss mit Zigaretten und anderen Schadstoffen. Nikotin ist nachweislich einer der Risikofaktoren für die Entstehung von Rheumatoider Arthritis. Rauchen verschlimmert auch das Erscheinungsbild bei anderen rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose, Spondyloarthriden (wie Morbus Bechterew) oder beim Systemischen Lupus Erythematodes. Bewegen Sie sich so oft wie möglich an der frischen Luft und meiden Sie Schadstoffe.
Bauch...
Leber
Alkohol senkt laut einer skandinavischen Metaanalyse das Risiko, an Rheumatoider Arthritis zu erkranken. Trotzdem ist nicht nur Rheumatikern ein übermäßiger Alkoholkonsum nicht zu empfehlen. Bei Rheumapatienten, die unter Basistherapie mit Methotrexat oder Leflunomid stehen, ist Alkohol meist komplett kontraindiziert, weil derlei Medikamente selbst schon mit einem starken Risiko der Leberschädigung einher gehen. Außerdem ist übermäßiger Alkoholkonsum Auslöser von vielen ernsten Erkrankungen. Was hilft es uns schon, nicht an Rheuma zu erkranken, statt dessen aber einer Leberzirrhose zum Opfer zu fallen?
Rheuma mit Alkohol vorzubeugen oder gar zu therapieren, macht also keinen Sinn. Vielmehr sollte die Frage lauten: Was ist der Grund dafür, dass selbst Personen mit einer genetischen Veranlagung seltener an Rheuma erkranken, wenn sie regelmäßig Alkohol zu sich nehmen? Alkohol wirkt auf viele Menschen entspannend– liegt da vielleicht die Begründung.
Magen-Darm
Stichwort Ernährung - Es gibt keine Diät, die Rheuma heilen kann. Es gibt aber Nahrungsmittel, die Symptome verschlimmern können und tunlichst gemieden werden sollten. Rheumatikern wird grundsätzlich empfohlen, ihre Ernährung umzustellen, weniger Fleisch und tierische Fette und mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und essentielle Fettsäuren (pflanzliche Öle) zu sich zu nehmen, regelmäßig Fisch. Außerdem ausreichend Vitamine und Mineralien. Dem einen hilft eine Fastenkur (vielleicht auch zur Ernährungsumstellung), dem anderen vielleicht eine Ayurveda-Kur. Auch die Kontrolle des Säure-Basen-Haushaltes kann von Vorteil sein (Stichwort Übersäuerung).
Ob - und wenn ja, wie stark – die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel helfen kann, ist umstritten. Dem einen scheinen sie zu helfen, dem anderen wiederum gar nicht, weshalb es Experten so schwer fällt, ihre Wirkung nachzuweisen oder zu widerlegen. Auf dem Markt sind sogenannte Chondroprotektiva (Chondroitin- und Glucosaminsulfat), Cetylmyrestoleat-Präparate, Vektor Lycopin, Grünlippmuschelextrakte, Gelatine, Kollagen-Hydrolysat, Methylsulfonylmethan uvm.
Was für Nahrungsergänzungsmittel gilt, gilt ebenso für Enzyme. Enzymgemische wie Wobenzym oder Phlogenzym sind vielleicht einen Versuch wert.
Die Budwig-Diät (die Einnahme von Quark-Leinöl-Creme) zielt ab auf die gezielte Zufuhr von mehrfach ungesättigten essentiellen Fettsäuren (Linolensäure). Der Quarkanteil soll dafür sorgen, dass diese besser vom Körper aufgenommen werden können. – Also vielleicht auch dies ein Versuch wert.
Zu beachten gilt: Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac sind keine harmlosen Schmerzmittel. Bei dauerhaftem Einsatz dieser entzündungshemmenden sogenannten „nicht steroidalen Antirheumatika“ (NSAR) sind schwere Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt äußerst wahrscheinlich! Daher gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Andere Alternativen zur Schmerzlinderung – vielleicht aus der Pflanzenheilkunde (Bsp. Präparate Teufelskralle, Weihrauch, Cayennepfeffer) – stehen zur Verfügung. Was hilft, ist individuell sehr verschieden und auch abhängig von der rheumatischen Erkrankung.
Bewegungsapparat
„Bewegen sie sich mehr“ – Diese Aussage hören Rheumatiker des öfteren von ihrem behandelnden Mediziner. Eine ziemlich arrogante Bemerkung, wird sich so mancher Betroffene denken. Es sagt sich so einfach, dass Bewegung hilft. Was aber, wenn wir schon stolz darauf sind, uns einigermaßen gut mit Krücken fortbewegen zu können?
Es ist uns klar, dass Rheumatiker nicht gleich Rheumatiker ist. Wenn aber unsere körperliche Konstitution es zulässt, sollten wir tatsächlich regelmäßige Bewegung an der frischen Luft anstreben, auch wenn uns eher nach Schonung ist. Versuchen Sie die sportliche Betätigung zu finden, die Sie sich zumuten können:
Schonende Krankengymnastik, vielleicht sanfte Wassergymnastik an Warmbadetagen, Ergo- und Physiotherapie können helfen, Muskeln aufzubauen und die Beweglichkeit zu erhalten. In den Leitlinien von Morbus Bechterew, Rheumatoider Arthritis (chron. Polyarthritis) und Arthrose stehen krankengymnastische Übungen ganz hoch im Kurs – erinnern Sie Ihren Arzt daran, wenn er sich weigert, Ihnen ein Rezept dafür auszustellen!
Beim Rebounding auf dem Minitrampolin kann man – in den eigenen 4 Wänden - die Kräftigung der Muskulatur mit dem Angenehmen verbinden. Haben Sie schon einmal drüber nachgedacht?
Auch das Taping mit medizinischen Klebebändern und die damit gewonnen Ganztags-Massage und Lymphdrainage wirkt schmerzlindernd für viele Rheumapatienten (besonders in Schubsituationen).
Haut
Schmerztherapie mittels Salben kann unter Umständen (z. B. Im Falle von Arthrose) einer systemischen mit Tabletten vorzuziehen sein – nicht zuletzt wegen der starken möglichen Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt im Vergleich zu einem relativ geringen Nutzen.
Dem einen hilft Akupunktur, dem anderen nicht. Vielleicht ist es einen Versuch wert, vor allem wenn Sie bei anderen Erkrankungen gute Erfahrungen damit gemacht haben.
Besonders, wenn Sie regelmäßig Cortisonpräparate einnehmen, ist Hautpflege ein Punkt, der im Sinne eines besseren Allgemeinbefindens nicht vernachlässigt werden sollte.
Zähne
Ob nun schlechte Zähne die Entstehung von Rheuma begünstigen können oder nicht. Rheumapatienten als Betroffene einer chronischen Krankheit, sind es gewohnt, dauerhaft schmerzlindernde Präparate zu sich zu nehmen. Aber betäubte Zähne sind eben auch schlechte Zähne, wenn Warnsignale nicht mehr wahrgenommen werden. Daher gilt für Rheumatiker: Halten Sie Ihre regelmäßigen Kontrolltermine unbedingt ein!
Gelenke
In einigen Fällen kann es empfehlenswert sein, Injektionen in das Gelenk vorzunehmen, um direkt und ohne Umwege zur „Wurzel des Übels“ vorzudringen. Möglich sind hierbei: Injektionen von Cortison, Hyaluronsäure oder radioaktiven Substanzen (Stichwort Radiosynoviorthese). Aus der Naturheilkunde besteht die Möglichkeit einer Injektion von Bienengift (entweder direkt durch eine Biene oder mit einer Spritze, Stichwort „Apitherapie“).
Nerven
Schmerztherapie mittels elektrischem Strom zielt darauf ab, die Schmerzschwelle durch Desensibilisierung heraufzusetzen (Beispiel TENS Transkutane Elektrische Nervenstimulation). Besonders der akupunkturähnlichen TENS schreibt man dabei einen nachweisbaren schmerzlindernden Effekt zu. Erklärt wird die Wirkung auch mit der Ausschüttung von Endorphinen (Glückshormonen) durch elektrischen Strom.
Füße
Bei bestimmten Formen von Arthrose sollte das Schuhwerk geprüft und ggf. geändert werden! Weniger Absatz, Schuheinlagen oder gar spezielles Schuhwerk wie MBT- oder andere Schuhe mit abgerundeter Sohle sind vielleicht einen Versuch wert.
Fazit
Wenn der persönliche Allgemeinzustand es zulässt, kann es sich lohnen, nach Alternativen oder zusätzlichen Optionen bei der Behandlung einer rheumatischen Erkrankung Ausschau zu halten, wobei man im Vorfeld nicht sagen kann, welche Behandlung in einem bestimmten Fall anschlägt oder nicht. Gerade aber, wenn keine großen Kosten mit derlei Alternativen verbunden sind, sind sie vielleicht einen Versuch wert, so denken wir. Denn leider ist es nicht sehr weitsichtig, wenn man glaubt, dass die medikamentöse klassische Therapie es allein oder dauerhaft schon wieder richten wird.
Quellen und andere interessante Links zum Thema Rheuma
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