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Für die einen ist es Schlamm... PDF Drucken E-Mail

peloidtherapie_moorAnwendungen mit Moor, Fango, Schlick oder Heilerde – alle haben eins gemeinsam – man bezeichnet sie auch zusammenfassend als „Peloidanwendungen“, also Anwendungen mit schlammähnlichen Substanzen. Peloidtherapien werden für verschiedenste Erkrankungen eingesetzt und in verschiedenen Therapieformen (Vollbad, Packung, Salbe, Badezusätze). Selbst Dosierung und Einwirkzeit variieren stark – Temperaturen von 4 – 50 °C und Einwirkzeiten von 15 – 120 Minuten sind möglich.

Die Idee dahinter ist vielfältig. Die einen setzen auf thermophysikalische Erwärmung oder Abkühlung von menschlichem Gewebe durch umgebende Substanzen, andere wiederum spekulieren auf den Übergang von chemischen Stoffen über die Haut (perkutan) in den menschlichen Organismus oder aus dem Organismus heraus.

Was ist Fango?

Was auch immer es ist – es ist – wie so vieles – schon seit langem so ziemlich in Mode. Dabei streiten sich sicherlich die verschiedenen Lager und Anbieter von Fango, welcher denn nun der einzig richtige und wirkungsvolle Fango ist. Der Begriff Fango leitet sich aus dem Italienischen ab und bedeutet nichts anderes als Schlamm. Gewonnen wird Fango aus den Böden von Thermalquellen und aus Ablagerungen vulkanischen Ursprungs. Fango ist ein Mineralschlamm aus Lehm- bzw. Tonpartikel und Wasser (Thermalwasser, aber auch Mineral- oder Leitungswasser sind möglich).

Es gibt ihn als sogenannten „organischen“ oder „anorganischen“ Fango, wobei anzumerken ist, dass Fango selbst, also der Schlamm, grundsätzlich vor allem anorganisch ist. Bei sogenanntem „organischen“ Fango werden Algen und Mikroorganismen zugegeben, die einen biologischen Reifungsprozess in Gang bringen sollen, der mindestens 60 Tage anhält.

Fango wird auf ca. 45 °C erhitzt und entweder direkt auf den Körper modelliert oder als Packung eingesetzt. Danach wird der gesamte Körper in Laken eingewickelt. Die Anwendungen dauern für gewöhnlich 20 – 40 Minuten. Wegen der großen Dichte von Fango (1,8 g / cm3) sind Vollbäder nicht möglich, weil in einem Bad ein zu großer Auftrieb herrschen würde. Die Wärme entspannt die Muskeln, regt die Durchblutung und den Stoffwechsel an und soll somit helfen, sogenannte Schlacken und andere Giftstoffe besser abzutransportieren. Aus diesem Grund wird Fango nicht nur bei rheumatischen Beschwerden oder Verspannungen eingesetzt, sondern auch bei diversen Hauterkrankungen.

Fango wird an seinem natürlichen Vorkommensort angewendet, aber auch exportiert und muss dann nachträglich mit Thermal- oder anderem Wasser vermengt werden. Die Heimat des Fango liegt in Italien, Euganeische Hügel bzw. Becken. Dort finden sich die Kurorte Abano, Montegrotto, Galzignano und Battaglia. Aber auch im deutschsprachigen Raum bieten diverse Kurorte Fango-Therapien an. Eine Liste deutschsprachiger Kurorte, die Fango-Therapien anbieten finde sich im Bäder Führer unter http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1429.html.

Klimabedingt ist Deutschland aber eher die Heimat von Mooranwendungen.

Moor bzw. Torf

Moor kommt nur in klimatisch kälteren Zonen mit ausreichend Niederschlägen vor. Moor bzw. Torf entsteht durch abgestorbene übereinandergestapelte Pflanzenteile, die unter Sauerstoffmangel abgebaut sind. Es besteht also überwiegend aus organischen Stoffen wie Kohlenhydraten, Eiweißstoffen und verholzten Pflanzenteilchen. Die heilende Wirkung der Inhaltstoffe von Torf ist – wie man sagt - noch nicht ausreichend erforscht. Verschiedene Torfarten haben zwar im Großen und Ganzen die gleiche thermische, aber eine unterschiedliche chemische Wirkung – bedingt durch starke Unterschiede in den Inhaltsstoffen. Kurbäder und Balneologen fordern deshalb gewisse Standards bei der Torftherapie (auch um mögliche Schwermetallbelastungen zu vermeiden).

Die positive chemische Wirkung wird meist auf die enthaltenen Huminsäuren zurückgeführt (schwach sauer bei einem pH-Wert von 5,7). Weitere Inhaltsstoffe sind Bitumen, Pektine, Zellulose, Hemizellulose, Lignine und Humine und Pflanzenhormone.

Wenn auch einige Wissenschaftler die Wirkung von Torf hauptsächlich der Erwärmung des menschlichen Körpers zuschreiben, so haben verschiedene Studien doch nachgewiesen, dass biologisch aktive Substanzen im Torf sehr wohl in biologisch wirksamen Konzentrationen durch die menschliche Haut in den Körper übergehen (permeiren) können. Es ist die Rede von keimhemmender (antibakterieller und antiviraler), entzündungshemmender und immunmodulatorischer Wirkung. Auch wurde eine Wirkung auf Organe mit glatter Muskulatur nachgewiesen.

Moorbäder und –packungen werden hauptsächlich bei entzündlichem Rheuma (rheumatoider Arthritis) und verschiedenen Hauterkrankungen, aber auch bei Frauenleiden eingesetzt.

Torf wird gebrochen und gemahlen und anschließend mit Wasser versetzt. Moorbäder können aus Gründen ihrer Zusammensetzung (Erklärung folgt) stärker erhitzt und somit angewendet werden, ohne dem Patienten unangenehm zu erscheinen, Temperaturen bis 50 °C sind möglich.

Zahlreiche Moorheilbäder und Moorkurorte im deutschsprachigen Raum bieten Moorbäder oder –packungen an. Eine Liste deutschsprachiger Kurorte, die Moorbäder anbieten findet sich unter: http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1034.html bzw. Moorbäder und Moorpackungen http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1482.html). Aber nicht nur Kurorte bieten Mooranwendungen an. Wie auch bei Fango, so werden auch Moorpackungen gern in verschiedenen Massagepraxen angewandt, ggf. vor einer Massage oder Bewegungsübungen.

Studien zur Wirksamkeit von Torf gibt es viele. Wer sich dafür interessiert, findet im Literaturnachweis folgenden Sitzungsberichts ein paar interessante Stichworte http://www.phytotherapy.org/presse/Torftherapie-Sitzung-Akademie-Erfurt-2003-pdf.pdf

Paraffin-Fango oder Paraffin-Moor

Alles was wirkt und aus der Natur kommt, aber einfach in der Herstellung zu kostenaufwendig ist, wird gern einmal von der Industrie abgekupfert, um es billiger zu machen. Gleiches gilt für Fango oder Moor. Auf dem Markt sind Paraffin-Packungen, in denen Fango- oder Moorpartikel beigemischt sind. Modellierfähigkeit und thermophysikalische Eigenschaften sind nachweislich schlechter als bei Natur-Fango oder Natur-Moor.

Die kalten erhärteten 1-kg-Platten aus Paraffin-Fango werden an Massagepraxen geliefert, wo sie im Fangoofen bei 65 °C geschmolzen und über einen Zapfahn aus dem Ofen gelassen werden. Bei ca. 50 °C werden die Packungen auf eine Liege aufgebracht, auf die der Patient sich bettet. Paraffin-Peloid-Packungen sind mehrmals zu verwenden, also gesamt gesehen kostengünstiger als Naturpackungen.

Wärmeeigenschaften und chemische Wirkung sind laut Studien nicht zu vergleichen mit dem Original – ähnlich wie ein Badezusatz…. Aber Achtung: Bei Verschreibung von Packungen durch den Arzt muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Wort „Naturmoor“ oder „Naturfango“ erwähnt wird, weil sonst alternativ gern auch das kostengünstigere Parafango zum Einsatz kommt – man spart halt, wo man kann – manchmal sogar an der Wirkung.

Peloid-Anwendungen werden auch bei Hauterkrankungen eingesetzt, weil sie unter anderem in der Lage sind (je kleiner die Partikel sind, umso stärker ist diese Wirkung), Flüssigkeiten aus der Haut aufzunehmen. Wenn die Partikel allerdings in Paraffin (oder Stoff o.ä. wie bei Kissen) eingebettet sind, besteht der direkte Kontakt zur Haut, dem man die heilende Wirkung nachsagt, verständlicherweise nicht mehr.

Meeresschlick

Wo die Flüsse ins Meer münden, setzen sich Schwebeteilchen ab. Es entsteht salzhaltiger Schlamm, sogenannter Meeresschlick. Schlick enthält viele Mineralien, Vitamine und Spurenelemente.

Zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen oder Nervenentzündungen wird Schlick auf 45 bis 50 °C erwärmt und direkt auf den Körper aufgetragen. Aber auch die Therapie in Schlickbädern ist möglich, wenn auch wegen der großen Dichte etwas aufwändiger (1,3 g / cm3). Der Auftrieb in Schlick ist so stark, dass Patienten mit Gurten gesichert werden müssen, um nicht an die Oberfläche zu treiben.

Wie Fango und Moor, wirkt auch Meeresschlick über Anregung der Durchblutung und Förderung des Stoffwechsels. Laut Anbieter versorgt es die Haut mit wertvollen Nährstoffen. Das enthaltene Meersalz beruhigt die Haut. Schlickanwendungen werden daher oft für besonders empfindliche Hauttypen empfohlen.

Eine Liste deutschsprachiger Kurorte, die Schlickbäder anbieten, findet sich unter http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1534.html. Kurorte, die Schlickpackungen anbieten, unter http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1455.html.

Lehm

Lehm besteht aus sandigen, schluffigen und tonigen Bestandteilen (also verschiedensten Partikelgrößen). Der feinkörnige Ton (Partikelgröße < 2 µm) kann große Mengen an Wasser und darin gelösten Stoffen binden und soll somit stark entfettend und „ausleitend“ auf Flüssigkeiten wirken, gar Giftstoffe und Krankheitserreger binden.

Lehmanwendungen laufen auch unter dem Namen „Felke-Kur“ (benannt nach dem sogenannten „Lehmdoktor“ Pastor Emmanuel Felke, 1856 – 1926), wobei die reine Lehmanwendung nur einen Teil dieser Kur darstellt. Diese Ganzheitstherapie beruht allerdings auch auf bewusster vegetarischer Ernährung, Bewegung im Freien und Kneippschen Wasseranwendungen, weshalb es schwer sein dürfte, alle Wirkungen allein dem Lehm zuzuschreiben. Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 1992, die Frau Dr. Heidrun Breden einst im Kurort Maasberg durchführte, sank bei den Patienten Gesamtcholesterin, Harnsäure im Blut und der Blutdruck. Die Felke-Kur wird von Anbietern besonders empfohlen bei rheumatischen Erkrankungen und anderen Gelenkschmerzen, Gicht und Bluthochdruck.

Lehmbrei wird etwa 2 cm dick aufgetragen, bei Verspannungen und Gelenkverschleiß warm (bis 43 °C) bei Entzündungen kalt (ca. 20 °C). Die Einwirkzeit bei warmen Anwendungen ist etwa 1 Stunde, bei kalter Auflage entsprechend kürzer. Der Lehm trocknet an.

Eine Liste deutschsprachiger Kurorte, die Lehmpackungen oder Lehmschlammbäder anbieten, findet sich unter http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1503.html bzw. http://www.baeder-fuehrer.de/kurorte/therapien/1802.html. Unter dem Stichwort „Lehmbad“ kann man unter http://www.naturarzt-access.de/ivzs/stichwortverzeichnis_1993.htm eine Kopie des Fachartikels von Frau Dr. Heidrun Breden aus dem Jahre 1992 zum Thema „Felke-Therapie wissenschaftlich untersucht“ bestellen.

Mineralerden

Mineralerden sind reich an Spurenelementen und Mineralstoffen. Zu ihnen gehört unter anderem die Heilerde aus Löss (eiszeitlichen Ablagerungen von Gesteinsstaub, vorwiegend bestehend aus Schluff).

Heilerde wird für gewöhnlich mit kaltem Wasser vermengt und kann sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden. Innerlich angewandt, soll sie Magensäure binden und somit neutralisieren sowie Kalzium und Magnesium an die Magensäure abgeben. Heilerde wird daher auch angewandt bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Durchfall, Sodbrennen, säurebedingte Magenbescherden. Da der Ansatzpunkt einer solchen Therapie sich von demjenigen anderer äußerlich angewandter Peloidtherapien stark unterscheidet, möchten wir an dieser Stelle auf diese Therapien nicht weiter eingehen.

Äußerlich angewendet wird Heilerde eingesetzt zur Behandlung von Prellungen und Verstauchungen, aber auch bei rheumatischen Erkrankungen. Häufig empfohlen wird sie zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Akne und Neurodermitis.

Der Kältereiz verengt die Blutgefäße und soll dadurch Muskelspannungen mindern und Entzündungen entgegenwirken. Beim Trocknen der Heilerde auf der Haut kommt es zu einer starken Saugwirkung, die ausleitend auf überflüssige Gewebsflüssigkeit wirken soll.

Wie wirken Peloidtherapien?

Wie schon gesagt: Bei der Begründung der (tatsächlich nachgewiesenen) Wirkung gibt es unterschiedlichste Denkansätze, eben auch weil es unterschiedlichste Anwendungsbereiche für verschiedene Peloide gibt.

Die einfachste und sicher am wenigsten umstrittene Begründung basiert auf der Temperatur und ihrer Wirkung auf unseren Organismus. Ganzkörperanwendungen, sogenannte Bäder, fokussieren sich meist auf die Wärmeleitung. Das heißt, man nutzt das Wärmeleit- bzw. haltevermögen von Substanzen aus, um eine Erwärmung des Körpers zu erzielen, die der kranke Körper aus irgendwelchen Gründen nicht mehr selbst vornehmen kann - sei es durch eingeschränkte Beweglichkeit im Alter oder im Krankheitsfall -  und betrachtet die Wirkung von Wärme auf den Körper gesamt (also systemisch) oder lokal auf Gewebe, Gelenke oder Organe.

Wärme ist für bestimmte Stoffwechselvorgänge, den An- und Abtransport von Nährstoffen und Stoffwechselendproduken, erforderlich. Durch künstlich zugeführte Wärme soll der Körper wieder lernen, auf Überwärmungen mit verbesserter Durchblutung zu reagieren. Wissenschaftler wie Kleinschmidt von der Maximilians-Universität in München, haben dabei einmal die Wirkung verschiedener Vollbäder genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass dickbreiige Moorbäder intensiver wirken als beispielsweise Wasserbäder mit entsprechendem Badezusatz. Sie begründen das mit der Wärmeleitfähigkeit, dem Wärmetransport von Substanz in den Körper.

Der Nachweis einer Wirkung der chemischen Substanzen von Peloiden ist oft untersucht worden. Umfassende Studien gibt es beispielsweise zur Wirkung von Torf / Moor (siehe oben).

Übrigens: Ist der Hauptaugenmerk auf Entlastung von Muskeln und Gelenken gerichtet, weniger auf die Temperatur, so empfiehlt sich durchaus ein anderes Medium als Peloide - wie Wasser oder schwach konzentriertes Salzwasser. Da der Auftrieb dank großer Dichte von Peloiden sehr stark ist, muss nämlich durchaus Muskelarbeit geleistet werden, um diesem entgegenzuwirken – ein Gefühl der Schwerelosigkeit mit völliger Entspannung der Muskeln ist somit nicht möglich.

Was sind die Anwendungsgebiete von Peloidtherapien?

Die Anwendungsgebiete erschließen sich, indem wir die Wirkung genauer betrachten:

  • Förderung der Durchblutung und somit des Stoffwechsels
  • Entspannung der Muskulatur (Senkung des Muskeltonus),
    Krampflösung und Lockerung des Bindegewebes
  • Infolgedessen Linderung von Schmerzen
  • Wirkung auf innere Organe
  • Stärkung des Immunsystems

Eingesetzt werden Peloidtherapien also unter anderem bei

 

  • Rheumatischen Erkrankungen (auch Weichteilrheumatismus)
  • Sonstigen Schulter-, Nacken- oder Rückenschmerzen
  • Prellungen und Verstauchungen
  • Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte

 

Recyclebarkeit von Peloid-Substanzen

Moor, also eigentlich Torf, ist ein natürliches Peloid (bis zu 100 % organischen Ursprungs) und wird aus Mooren entnommen und zwar aus den unteren, nicht bewachsenen Schichten. Es kann nach Verwendung in einem aufwendigen Verfahren in sogenannten „Abmoorteichen“ wieder renaturiert werden, wobei es wieder zum Pflanzenbewuchs kommt. Paraffinpackungen mit beigemengten Moorpartikeln (Paraffin-Moor) sind selbstverständlich nicht in diesem Verfahren zu recyclen.

Fango, ist ein anorganisches Peloid, ein Mineralschlamm aus Lehm bzw. Ton, das je nach Anbieter mehr oder weniger organisch besiedelt ist („organischer Fango“). Nach Nutzung ist der Fango „recyclebar“, soll heißen: organischer Fango kann erneut dem Reifebecken zugeführt und dort wieder neu gereift werden (was freilich nur am Abbauort in Italien der Fall sein kann). Der nicht gereifte darf laut Bestimmungen nur für denselben Patienten wiederverwendet werden und kann anschließend über Gartenbau, Landwirtschaft oder Kompostierung entsorgt werden.

Paraffin-Fango oder Paraffin-Moor sind – wie der Name schon sagt – künstlichen Ursprungs. Sie können laut Anbieter (auch das wiederum reizt aus Kostengründen natürlich zur Verwendung dieser Packungen) nach jeweiligem 15minütigem Erhitzen auf 130 °C bis zu 40mal wiederverwendet werden.

Bieten Kurorte ausschließlich Peloidtherapien an?

In Kurorten wird nicht ausschließlich mit Moorbädern, Fangopackungen oder ähnlichem therapiert, sondern zwischen verschiedenen Therapien gewechselt. Moorvollbäder werden als körperlich belastend angesehen und auch in Kurorten nur alle paar Tage angewandt, in der Zeit dazwischen gibt es Entspannungs- aber auch Bewegungstherapien.

Ein Vollbad in einem Peloidmaterial ist eine hydrostatische Belastung des Körpers, auf die er mit Blutvolumenverschiebung in den peripheren Blutgefäßen reagiert. In geringerem Maße trifft das auch auf Ganzkörperpackungen zu. Eine Wärmeabfuhr zur Temperaturregulierung ist so gut wie nicht möglich und auch nicht erwünscht, schließlich möchte man den Körper „im Kern“ erwärmen. Die Dichte des Breis bewirkt einen erhöhten Auftrieb und Bewegungen werden verlangsamt.

Wann sollte auf Peloidtherapien verzichtet werden?

Bei akuten Entzündungen wie einem rheumatischen Schub oder Venenentzündungen sollte man von Peloidtherapien absehen, außerdem, wenn Verletzungen der Haut vorliegen. Verständlicherweise ist es auch nichts für Menschen mit Allergie auf die Inhaltsstoffe der jeweiligen Packung oder bei Menschen, die überempfindlich auf Wärme reagieren.

Peloidtherapien – auch kalt ein Genuss

Peloidtherapien – das sind nicht grundsätzlich nur Wärmeanwendungen. Auch Kälte kann in manchen Fällen durchaus angezeigt sein. Daher sind Temperaturunterschiede von 4 bis 50 °C bei der Anwendung von Peloidtherapien möglich. Kälte kann empfehlenswert sein bei akuten Venen- und Lymphgefäßentzündungen oder zur Fiebersenkungen. Auch Rheumapatienten empfinden den Kältereiz gelegentlich als angenehm. (Heilschlamm 0 – 15 °C).

Moor oder Fango, das ist hier die Frage…

Ob die positive Wirkung von Peloidtherapien nun auf Wärme oder auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen ist – darüber diskutieren die Wissenschaftler noch immer. Prof. Kleinschmidt vom Institut für Medizinische Balneologie und Klimatologie der Ludwig-Maximilans-Universität München, setzt da mehr auf die thermische Wirkung.

Also eigentlich wäre es ganz einfach: Je höher die Temperatur (bzw. der Temperaturunterschied zwischen Medium und Körper) und je länger die Wärmeeinwirkung, umso besser die Wirkung. Denn der Wärmeaustausch zwischen den Geweben braucht nun einmal Zeit. Aber ganz so einfach ist das nicht, denn unser Schmerzempfinden setzt da ganz natürliche Grenzen. Unsere Schmerzgrenze liegt eigentlich bei ca. 42 °C, höhere Temperaturen werden für gewöhnlich als „zu heiß“ empfunden. Warum ertragen wir dann Temperaturen von 45 °C (Fango) oder gar 50 °C (Moor)?

Kleinschmidt erklärt es mit Wärmeeindringzahl: Verschiedene Materialien haben eine unterschiedliche Wärmeeindringzahl und somit unterschiedliche Fähigkeiten, an der Oberfläche entzogene Wärmeenergie nachzuliefern. Während wir uns an Metall in der Sauna „verbrennen“, sitzen wir gemütlich auf Holzbrettern, weil eben Metall die Wärme schneller nachliefert als Holz. Die Wärmeeindringzahl von Moor und Haut ist etwa gleich, bei 50 °-heißem Moor und 30°-warmer Haut stellt sich eine Kontakttemperatur von ca. 40 °C ein. Bei Fango ist die Wärmeeindringzahl höher als bei Haut, daher stellt sich hier eine höhere Kontakttemperatur ein. Die Temperatur von Fango darf also niemals so hoch sein wie die von Mooranwendungen, weil es als heißer empfunden wird.

Um eine längerfristige Erwärmung zu garantieren, sind Schichtdicken von mehreren Zentimetern erforderlich, wobei Moor einen besseren Wärmevorrat hat, die Wärme langsamer abgibt. Zum Vergleich: Um den Körper 15 Minuten zu erwärmen braucht man 3 cm Moor oder 5 cm Fango. Moorbäder sind möglich, Fangobäder aus Gründen der starken Dichte nicht.

Eine optimale Wirkung wird sicherlich in einem Vollbad erzielt. Moor- und Fangopackungen – also das Bestreichen von Körperteilen bzw. dem ganzen Körper mit der jeweiligen Substanz – stoßen einfach hinsichtlich der Dauer der Erwärmung an Grenzen.

Kurort ist nicht gleich Kurort

Das Europäische Tourismus Institut (ETI) an der Universität Kiel hat übrigens 2007 eine vergleichende Qualitätsbewertung (VQB) von Heilbädern und Kurorten aus (gesundheits-) touristischer Sicht durchgeführt. 78 Kurorte nahmen bundesweit daran teil. „Testsieger“ im Bereich „Mineral- und Moorheilbäder“ waren: Bad Harzburg (Niedersachsen), Bad Neuenahr (Rheinland Pfalz) und Bad Zwischenahn (Rheinland Pfalz). Zu finden ist diese Bewertung unter http://www.eti.de/cgi-bin/cms


Quellen und weitere interessante Links zum Thema Rheuma 

Artikel von Dr. Kleinschmidt zur Moortherapie www.baederkalender.de/pdf/broschuere/ddk_kap_3_8.pdf

Medical Tribune zu Fango, Torf oder Lehm http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/18322/

Schweizer Zeitschrift „Natürlich“ zum Thema www.natuerlich-online.ch/fileadmin/Natürlich/Archiv/2004/12-04/35-39_Fango.pdf

 
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Datum: 19.05.2013

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