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Gesunde Gelenke – der Traum eines jeden Arthrosepatienten... PDF Drucken E-Mail

arthrose_therapienWas gibt es noch an Behandlungsalternativen bei Arthrose? - Therapien gibt es viele, die Heilung oder zumindest Linderung bei Arthrose schaffen sollen. Arthrose ist eben eine Volkskrankheit und wird bisher nicht ursächlich behandelt. Die Empfehlungen der EULAR (European League Against Rheumatism) und des ACR (American College for Rheumatology) stehen fest (siehe unser Artikel „Arthrose – endlich Licht am Ende des Tunnels?“). Dennoch ist das Angebot an anderen therapeutischen Angeboten (klassisch und alternativ) groß.

Eine Bewertung der Angebote scheint schwierig. Hilft es oder nicht? Das scheint individuell stark unterschiedlich zu sein. Ist die Wirkung auf den Placebo-Effekt zurückzuführen? Bilden sich Patienten die  Wirkung vielleicht nur ein?

Wer erst noch einmal einiges ausprobieren möchte, bevor er sich einer Operation unterzieht, der steht vor der Qual der Wahl. Da gibt es so einiges, was klassische Mediziner und Alternativtherapeuten im Repertoire haben, ob wirkungsvoll oder nicht, da streiten sich die Experten:

Alternative Schmerzmittel
Als Standard Schmerzmittel in der Behandlung von Arthrose gilt Paracetamol und (wenn es gar nicht anders geht) auch NSAR. Auch die Pflanzenheilkund hat einige schmerzlindernde Präparate in petto:

  • Präparate aus Teufelskralle, Weihrauch oder Weidenrinde
  • Blutegel-Therapie (Arthrose und Schmerztherapie)

 

Psychologische Entspannung zur Lösung von Verspannungen
Alles, was uns dabei hilft, ein wenig zu entspannen und unseren Stress abzubauen, kann auch zur Lösung von Verspannungen führen und somit eine schmerzlindernde Wirkung haben, wie z. B.:

  • Autogenes Training, Hypnose bzw. Selbsthypnose
  • Sophrologie (Mobilisierung von Selbstheilungskräften durch Entspannungstechniken, Atemübungen und Visualisierungen)
  • Psychotherapie

 

Homöopathische Mittel
Welche homöopathischen Mittel bei der jeweiligen Erkrankung helfen können ist individuell sehr unterschiedlich und bedarf einer sorgfaltigen homöopathischen Anamnese.

Schüssler Salze
Homöopathisch potenzierte Mineralsalze, die auch im menschlichen Körper vorkommen. Schüssler-Salz, das sind die zwölf Funktionsmittel von Dr. Schüssler:

  • Calcium Fluoratum (Bindegewebe, Haut, Gelenke)
  • Calcium Phosphoricum (Knochen und Zähne)
  • Ferrum Phosphoricum (Immunsystem)
  • Kalium Chloratum (Schleimhäute)
  • Kalium Phosphoricum (Nerven)
  • Kalium Sulfuricum (Stoffwechsel)
  • Magnesium Phosphoricum (Muskeln)
  • Natrium Chloratum (Flüssigkeitshaushalt)
  • Natrium Phosphoricum (Stoffwechsel)
  • Natrium Sulfuricum (Entschlackung)
  • Silicea (Bindegewebe, Haut, Haare)
  • Calcium Sulfuricum (Gelenke, Eiter)

 

Ernährungsumstellung
Mediziner sind sich einig: In vielen Fällen ist eine Gewichtsreduktion vorteilhaft, um die Gelenke zu schonen. Das kann erfolgen durch Änderung der Ernährungsgewohnheiten, durch Fastenkuren, Colon-Hydrotherapie oder Trennkost. Darüber hinaus existieren viele – auch umstrittene – Theorien bzgl. Ernährung bei Rheuma. Linderung sollen bringen:

  • Eine Omega-3-Fettsäuren-reiche Ernährung
  • Eine Arachidonsäure-arme Ernährung
  • Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt durch kohlenhydrat- und säurearme Ernährung
  • Eine Ernährung reich an Antioxidantien
  • Vitamin- und Spurenelementpräparate (Orthomolekulare Medizin) bei Nährstoffmangel
  • Nahrungsergänzungsmittel wie: Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Gelatine, Grünlipp-Muschel-Extrakt, Kollagen-Hydrolysat, Methylsulfonylmethan, Cetylmyristoleat u.v.m.

 

Physikalische Therapien
Umfassen alle Therapien, die auf physikalischen Methoden basieren wie Wärme, Gleichstrom, Infrarot, UV-Licht, Wasser oder mechanische Behandlung. Dabei unterscheidet man zwischen aktiven Methoden, bei denen der Patient eben selbst aktiv werden muss, und passiven, bei denen nur der Therapeut aktiv ist.

Aktiv::

  • Bewegungstherapie (z. B. Wandern, Schwimmen, Bewegungsbad, Wassergymnastik)
  • Krankengymnastik ((muskelkräftigende Übungen), z. B. Kieser-Training
  • Physiotherapie (gezielte Behandlung zur Normalisierung gestörter körperlicher Funktionen)
  • Ergotherapie (Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation von beeinträchtiigten Fähigkeiten und Funktionen zur Erweiterung der Handlungsfähigkeit des Patienten) Nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch psychische, wahrnehmungszentrierte und kognitive Problematiken stehen im Vordergrund (im Gegensatz zur Physiotherapie).
  • Medizinische Trainingstherapie (Muskeltraining um Gelenkbeweglichkeit zu steigern)
  • Alexandertechnik (Schulung körperlicher Haltung und Bewegung zum besseren Gebrauch des Körpers)
  • Zilgrei (Selbstheilungsverfahren durch Kombination Atmungs-, Haltungs-, Bewegungsbehandlungsmethode, aus der Physiotherapie)
  • Feldenkrais-Methode (Erlernen von Bewegungen ohne Schmerzen)
  • Biokinematik
  • Progressive Muskelentspannung
  • Yoga (geistige und körperliche Übungen)

Passiv:

  • Wärmebehandlung mit z. B. Moor, Fango, Paraffin, Balneo-Therapie (Heilquellwasser, Bädertherapie), Thalasso-Therapie (Wassertherapie mit Meerwasser)
  • Kältebehandlung mit z.B. Kneipp-Anwendungen, Kryotherapie
  • Massagen: Medizinische Massagen, Rolfing (Tiefenmassage von Muskulatur und Bindegewebe und Verschieben von Gelenken in günstigere Position), Wasserstrahlmassagen (entweder Unterwasserstrahlmassage im Thermalbecken oder trockene Wasserstrahlmassage auf Wasserbett), Fußreflexzonenmassage, Lymphdrainage
  • Osteopathie (Alternativmedizin)
  • Chiropraktik (Korrektur von Gelenkstellungen), Triggerpunkttherapie (krankhaft verkürzte Muskelfasern und verhärtete Muskelstränge, sog. Triggerpunkte werden durch Druck oder Medikamenteninjektion gelöst), Dorn-Methode (Korrektur von Gelenkstellungen manuell), Narkosemobilisation (Bewegung des Gelenks unter Narkose)
  • Akupunktur, Elektroakupunktur, Laserakupunktur
  • Akupressur, Shiatsu (japan. Variante) und Klopftherapie




 

Behandlung mit Magnetfeldern

  • Magnetfeldtherapie (Gelenk wird Magnetfeld ausgesetzt)
  • Nikken-Therapie (Dauermagnete in Schmuck, Gürtel, Sohlen)
  • Pulsierende Signal Therapie (Magnetfeld soll Knorpel zum Wachstum anregen)
  • Kernspinresonanztherapie bzw. Multibiosignaltherapie (elektromagnetische Felder sollen Knorpelzellen zur Neubildung anregen)

 

Behandlung mit Strahlen, Schallwellen o.ä.

  • Radiosynoviorthese Einbringung eines radioaktiven Stoffes ins Gelenk zur Verödung der Gelenkinnenhaut
  • Radiotherapie (niedrigdosierte Röntgenstrahlen lokal am betroffenen Gelenk)
  • Radon-Therapie (Behandlung mit radioaktivem Radon in Radon-Stollen)
  • Orthovolt-Therapie bzw. Röntgenreizbestrahlung (Schmerzlinderung durch Röntgenstrahlung)
  • Ultraschalltherapie (Bestrahlung von Gewebe mit Ultraschallwellen)
  • Radiofrequenztherapie (lokale Anwendung hochfrequenter Stromfelder zur Schmerztherapie, z. T. zum Unterbrechen der Leitfähigkeit eines Nervs.
  • Röntgenentzündungsbestrahlung bzw. Röntgenreizbestrahlung zur Veränderung des Stoffwechsels im betroffenen Gelenk und Röntgentiefenbestrahlung mit „weichen“ Röntgenstrahlen
  • Hochton-Therapie zwischen 4096 und 32768 Hertz
  • TENS-Therapie Transkutane elektrische Nervenstimulation (Elektrotherapie)
  • Stosswellentherapie (Schallwellen auf Punkt fokussiert, unterschiedliche Druck- und Zugeffekte  sollen Stoffwechsel stimulieren und somit Schmerzen lindern)
  • Lasertherapie (zur Anregung des Zellwachstums)
  • Neurostimulation (Hemmung der Erregungsweiterleitung durch Stromimpulse)

Injektionen

  • Cortisoninjektionen in das Gelenk (bei entzündl. Aktivität)
  • Hyaluronsäureinjektion in das Gelenk (zur „Schmierung“)
  • Radiosynoviorthese (zur Verödung der Gelenkinnenhaut durch radioaktive Substanzen)
  • Neuraltherapie (Injektion von Schmerzmitteln gezielt lokal z. B. Procain, um normale physikalische Bedingungen zu schaffen und zu entblockieren)
  • Regeneresen bzw. RNS-Therapie (RNS aus embryonalen tierischen Zellen oder Jungtierzellen werden intramuskulär injiziert)
  • Stammzelltherapie (Stammzellen aus Knochenmark sollen sich zu Knorpelzellen entwickeln, die dann in das betreffende Gelenk eingespritzt werden, noch im Forschungsstadium)
  • Gentechnik bzw. Gentherapie (Ersatz mit gentechnisch veränderten Zellen, noch im Forschungsstadium)
  • Quellgastherapie (CO2 wird an Reflexzonen unter die Haut gespritzt), soll die Durchblutung fördern und Verspannungen lösen
  • Periradikuläre Therapie (Medikamenteneinbringung in Nervennähe an der Wirbelsäule)
  • Punktion zur Druckablassung (Ablassen Gelenkflüssigkeit)
  • Orthokin-Therapie (Eigenblutbehandlung mit Anti-IL-1)
  • Zytoplasmatische Therapie (Präparate aus Organen von Tieren entnommen werden injiziert, sehr umstritten)

Gelenkruhigstellung zur Entlastung

  • Zinkleimverband (Kompressionsverband)
  • Tape-Verband zur Entlastung des Gelenks statt Gips
  • Schienen und Orthesen wie Halskrausen, Korsetts (auch zur Korrektur von Fehlstellungen)
  • Arthrodese (operative Gelenkversteifung)

 

Knorpelersatz operativ

Ein operativer Knorpelersatz wie bei der Knorpeltransplantation ist bei Arthrose-Patienten sehr umstritten. Geschaffen für die Behandlung von Menschen, die eigentlich einen gesunden Knorpel haben, der aber verletzt ist, bietet sich die Zucht von Knorpel oft nicht an, weil die Anwachschancen verschwindend gering sind. Auf dem Markt und bei Arthrose umstritten sind z. B.:

  • Tissue Engineering Knorpelersatz aus gezüchteten Knorpelzellen (patienteneigen)
  • Mosaikplastik: Knochen/Knorpelzylinder aus unbelastetem Ort des Gelenkes werden ausgebohrt und in den Bereich des Knochen/Knorpelschadens mosaikartig eingeführt – chirurgisch sehr anspruchsvolle Technik, nur für junge Erwachsene empfohlen.
  • Microfracture Perforation des subchondralen Knochens im Bereich des Knorpelschadens soll den Einstrom von mesenchymalen Zellen aus dem Knochenmark ermöglichen.
  • Autologe Chondrozyten-Implantation (ACI) Knorpelzell-Transplantation bei frühzeitig diagnostizierten Patienten. Knorpelstücke werden arthroskopisch entnommen, Knorpelzellen werden isoliert, dann kultiviert. Eine sterile Zellsuspension wird von Orthopäden unter einen Periostlappen, der den Knorpeldefekt überdeckt, eingespritzt. (4000 – 10.000 US$).

Die Alternativ- bzw. Komplementärmedizin bietet viele weitere Ansatzpunkte, die wir hier aus Platzgründen einfach nicht aufnehmen können.

Wir fragen uns

Einige Betroffene berichten von Linderung durch Nahrungsergänzungsmittel wie Chondoitinsulfat, Glucosaminsulfat oder Präparate mit Grünlippmuschelextrakt. Ernstgenommen werden solche Präparate aber von den Experten nicht. Warum? Chondroitinsulfat und Glucosaminsulfat werden selbst in den Empfehlungen der EULAR zur Therapie verschiedener Arthroseformen genannt! Die Wirkung – so sagen Experten – sei zwar gering, aber vorhanden!

Laut Werbung der wichtigste Bestandteil der Grünlippmuschelextrakte sind Glusaminoglykane, die die Viskosität der Gelenkschmiere beeinflussen sollen und den Knorpel mit Nährstoffen versorgen sollen. Außerdem enthalten derlei Extrakte auch Omega-3-Fettsäuren, die nachweislich entzündungshemmend wirken.

Klinische Studien weisen darauf hin dass NZGLM wirksam sind bei der Behandlung von Erkrankungen mit entzündlicher Komponente wie Arthritis und Asthma. Aber es gibt eben auch Gegenstudien. Die FDA (Food and Drug Administration) hat eine Einfuhrwarnung herausgegeben zum Import derlei Extrakte, die Aussagen zur Wirkung seien unbegründet, Betroffene würden irregeführt und würden wirklich wirkungsvolle Therapien vernachlässigen.

Fazit

Wie immer bleibt dem Patienten die Entscheidung, Nahrungsergänzungsmittel einfach mal auszuprobieren (sofern er es sich leisten kann), um ganz individuell zu testen, ob sie ihm etwas bringen. Tatsache ist jedenfalls: Arthrose lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht stoppen. Entweder muss man also lernen, mit der Zeit damit zu leben, oder sich über kurz oder lang zu einem Gelenkersatz durchringen, dessen Erfolgsaussichten in vielen Fällen unklar ist und weitere Komplikationen hervorrufen kann.

Gern werden Gewichtsabnahme und Osteotomien (Umstellungsoperationen von X- und O-Beinen) als einzige Alternative zur Prothese genannt – kann das alles sein?

Quellen und andere interessante Links zum Thema Rheuma 

http://www.arthrose-therapie-verzeichnis.de/
Arthrose-Therapie Verzeichnis des Deutschen Arthrose Forums
http://www.accessdata.fda.gov/cms_ia/importalert_175.html Einfuhrwarnung des FDA zum Grünlippmuschelextrakt.
http://www.drugs.com/npp/new-zealand-green-lipped-mussel.html (Beschreibung Arzneimittel Grünlippmuschel)
http://www3.ndr.de/sendungen/visite/videos/visite4220.html

 
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Datum: 19.05.2013

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