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Die Kraft des Bienenstichs PDF Drucken E-Mail

bieneEs ist schon ein paar Jahre her, da wurde von neuen Therapiemöglichkeiten auch für Rheumapatienten in der Presse berichtet: Bienengift – nicht aufwändig im Labor synthetisiert und per Nadel injiziert – nein, Bienen wurden hierbei mit der Pinzette gegriffen und so ein gezieltes Stechen in entzündliche menschliche Körperteile oder Gelenke provoziert.

 

Für den einen ein Horrorszenario, für den anderen eine willkommene Alternative zur herkömmlichen Medizin: Tausende Menschen weltweit lassen sich täglich kontrolliert und mit voller Absicht von Bienen stechen und versprechen sich davon eine Heilung oder Linderung bei Arthritis, Rheuma, Gicht, aber auch Asthma, prämenstruellen Beschwerden und vielen anderen Erkrankungen.

 

 

In der Tat – viele Menschen reagieren allergisch auf den Stich einer Biene, einer Wespe oder anderen Insektes. Nein, hiermit ist nicht das bekannte Anschwellen und Schmerzen eines Bienenstichs – die lokale Reaktion auf den Stich - gemeint. Im Gegenteil: Allergisch ist, wer keine Schwellung mehr bekommt, sondern wer – grob gesprochen - insbesondere da reagiert, wo gar nicht gestochen wurde. Dabei können Herz, Lunge, Darm und Haut betroffen sein. Schweißausbruch, Atemnot, Schwindel, Zittern oder Übelkeit bis hin zum anaphylaktischen Schock mit Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand, der zum Tode führen kann, können die Folge sein. Ein guter Grund, Patienten zunächst eingehenden Tests zu unterziehen, um eine mögliche allergische Reaktion von vornherein auszuschließen.

 

 

Eine Bienengiftallergie muss man aber nicht als gegeben und unabänderlich hinnehmen. Mittels Hyposensibilisierung können wir unser Immunsystem durch Injektion gereinigten und stark verdünnten Bienengifts in steigender Dosierung an das Allergen gewöhnen, indem wir es anregen, Antikörper gegen das Gift zu bilden. Die Erfolgsrate bei dieser Form der Desensibilisierung liegt bei mehr als 90 %!.

 

Hat man die natürliche Abneigung gegen einen Insektenstich erst einmal überwunden, wird man feststellen, dass die Bienengifttherapie die Mühe durchaus wert war.

 

 

Was ist eigentlich Bienengift?

 

Bienengift, auch Apitoxin genannt, wird von Arbeiterinnen und Königinnen ab dem Alter von 3 Tagen produziert. Es gibt zwei Giftdrüsen: Die saure Giftdrüse enthält das eigentliche Bienengift, die alkalische Giftdrüse die Gleitsubstanz für den Stechapparat. Das Gift wird in einer Giftblase gespeichert, die im Alter von 15 Tagen mit 0,3 mg komplett gefüllt ist.

 

 

Über die entzündungshemmende Wirkung hinaus, wirkt Bienengift schmerzlindernd, blutdrucksenkend, muskelentspannend und blutverdünnend, zum Teil sogar antibakteriell. - Eigenschaften, die sicher nicht nur Rheumapatienten zu würdigen wissen. Arthritis wird beispielsweise mit mehreren Stichen gleichzeitig, 2 – 3mal die Woche über 1 – 3 Monate behandelt.

 

 

Die Bienengifttherapie wurde schon im antiken Ägypten und China angewendet. Man sagt, sogar der berühmte griechische Arzt Hippokrates (ca. 460 – 410 vor Chr.) habe bereits Bienengift angewendet, um Gelenkentzündungen zu behandeln.

 

 

Für die Bienengifttherapie ist es vielleicht nicht zwingend notwendig, Gift einer lebenden Biene durch gezieltes Stechen in entzündliche Körperteile zu verwenden. Tierliebhabern wird es sicher ein „Dorn im Auge“ sein, dass beim Einstechen der gesamte Stechapparat einer Biene mitsamt Stachel, Drüsen und Giftblase herausgerissen wird, was unweigerlich zum Tod der betroffenen Biene führt. Natürliches Bienengift wird herkömmlicherweise mittels einer der folgenden beiden Verfahren gewonnen:

 

Ein elektrischer Bienengiftkollektor (Rahmen mit stromführendem Drahtnetz) wird vor dem Bienenloch aufgestellt. Bienen landen auf den Drähten, werden durch den Strom gereizt, stechen und geben dabei das Gift ab, das auf der Glasplatte unter den Drähten landet (ca. 150 mg. pro Sammlung). Das Gift lässt man eintrocknen und kratzt es dann von der Glasplatte ab. Diese Methode ist besonders geeignet, um Bienengift zur Salbenherstellung zu ernten. Eine andere Methode ist es, zwei Folien zu spannen, deren erste bei elektrischer Reizung von den Bienen durchstochen wird. Diese Methode findet zur Gewinnung von hochreinem Bienengift zu Injektionszwecken Anwendung.

 

 

Auf die lebende Biene zurückzugreifen wirkt unumgänglich bei einer speziellen Kombination der Bienengifttherapie mit der Akupunktur (Apipunktur). Hierbei wird statt der Metallnadel der Stachel mitsamt Bienengift verwendet, um spezielle Akupunkturpunkte zu stimulieren. Asiatische Forscher sagen dieser Form der Akupunktur eine äußerst positive Wirkung nach. Verschiedene Studien belegen, dass Bienengiftakupunktur verschiedene Teile des Nervensystems stimuliert und die gleiche Wirksamkeit wie eine Cortison-Behandlung aufweist.

 

 

Aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist die Apitherapie (neben Bienengift befasst sie sich noch mit der Wirkung anderer Bienenprodukte wie Honig, Pollen, Propolis, Gelée Royale und Wachs) nicht mehr wegzudenken. Aber auch in anderen zahlreichen Ländern hat sie zum Aufbau von spezialisierten Therapiezentren geführt. Weltweit werden Schulungen und Kongresse zum Spezialgebiet Apitherapie angeboten. In Deutschland ist ein kompetenter Ansprechpartner zu diesem Thema der Deutsche Apitherapie Bund (DAB; www.apitherapy.de). Dr. med Stefan Stangaciu, Präsident des DAB, bietet Kurse (auch per Internet) zu diesem Thema an.

 

 

Bienengift ist bis heute Gegenstand zahlreicher klinischer Forschungen. Die Wirkung aller seiner Komponenten ist bis heute leider nicht vollständig geklärt, obwohl die Ergebnisse bisher durchgeführter Studien durchaus Anlass zur Freude – ganz besonders für Patienten mit rheumatoider Arthritis - geben dürften. Bislang nicht heilbar, so könnte doch die Bienenstichtherapie eine gängige und nebenwirkungsfreie Alternative zur Linderung werden, wenn die Forschung auf diesem Gebiet gezielt vorangetrieben würde.
 
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Datum: 03.09.2010

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