Die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung ist die Rheumatoide Arthritis. In Deutschland wird die Zahl der Betroffenen auf 800.000 geschätzt, betroffen sind vorwiegend Frauen. Die Rheumatoide Arthritis ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung, also bedingt durch ein fehlgeleitetes „hyperaktives“ Immunsystem, das körpereigene Zellen als fremd erkennt und bekämpft. Die Hintergründe, die - neben einer genetischen Veranlagung - zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen führen, werden derzeit stark beleuchtet.
Erste Symptome
Erste Symptome sind: nächtliche und morgendliche Gelenkschmerzen (Schmerzen in Ruhephasen), Morgensteifigkeit der Gelenke von mehr als 15 Minuten, Anschwellung der Gelenke (an mehr als 2 Gelenken symmetrisch (beidseitig) über einen Zeitraum von mehr als 6 Wochen, typischerweise in den Fingergrund- und den Fingermittelgelenken, allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Erschöpfung
Wenn Sie Ihren Hausarzt konsultieren, wird er möglicherweise eine Blutprobe nehmen, um weiter Aufschluss gebende Werte wie den BSG Wert (Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP (C-reaktives Protein), RF (Rheumafaktor) und CCP (Nachweis von Antikörpern gegen cyclische citrullinierte Peptide) zu ermitteln. Er wird Sie zu einem internistischen Rheumatologen überweisen, da gemeinhin gilt: Diagnose und Beginn einer Therapie so bald wie möglich (laut Leitlinien spätestens 12 Wochen nach Ausbruch). Tatsächlich hat das Deutsche Rheumaforschungszentrum ermittelt, dass von Krankheitsausbruch (der Rheumatoiden Arthritis) bis zur Diagnosestellung durch einen Rheumatologen im Durchschnitt aber 1,6 Jahre vergehen.
Jetzt bleiben Ihnen erfahrungsgemäß 2 – 3 Monate Zeit, denn nur in den seltensten Fällen erhält man einen Termin beim Rheumatologen früher. Womöglich ist das Zeit genug, um sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, dass man unter einer Autoimmunerkrankung leiden könnte. Zeit auch, ein paar alternative Wege zu beschreiten, bevor (überspitzt dargestellt) die medizinische Maschinerie uns in die Fänge bekommt. Denn über eines müssen wir uns im Klaren sein: Die Diagnose Rheumatoide Arthritis – gestellt durch einen Rheumatologen – hat eine Basistherapie mit sogenannten DMARDS (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs) zur Folge, Immunsuppressiva, die in das Krankheitsgeschehen aktiv eingreifen. Standard bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis ist dabei das Präparat Methotrexat. Es unterdrückt die Reaktion unseres Immunsystems, das fehlgeleitet fälschlicherweise eigene Zellen unter Beschuss genommen hat, wir sind daher aber auch anfällig für andere Infektionen (und tragen darüber hinaus ein erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken, siehe Warnungen in unserem Quellennachweis).
In der Anfangsphase lässt sich auf dem alternativen Weg noch einiges erreichen, aber Alternativtherapien sind aufwändig und erfordern die Bereitschaft, sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen – und dazu hat man halt einfach oftmals nicht die Lust und Zeit. Erst wenn der Leidensdruck groß ist und womöglich klassische Medikamententherapien nicht greifen oder zu starken Nebenwirkungen führen, sind viele Betroffene bereit, alternative und unbequeme Therapien zu erwägen. Dann ist es aber zu spät, weil zum Beispiel Medikamente bereits selbst Nebenwirkungen herbeigeführt haben oder Schmerzmittel die Ortung von Ursachen unmöglich gemacht haben. Unter Methotrexat kann man den Weg alternativer Therapien nicht mehr gehen.
Es lohnt sich aber, diese einmal auszuprobieren. Wenn unter diesen eine Besserung eintritt, kann man dem Rheumatologen gegenüber problemlos seine Position vertreten, es vorübergehend einmal anders auszuprobieren (schließlich sind sie noch ganz am Anfang) – oder sich eben doch für MTX entscheiden (dieses Mal aber im vollen Bewusstsein, dass keine Alternative bleibt).
Wir setzen uns also einmal hin und mit uns selbst auseinander...
Bei Autoimmunerkrankungen, wie die Rheumatoide Arthritis eine ist, geht man davon aus, dass eine genetische Veranlagung besteht und ein bestimmter Trigger (Umwelt, soziales Umfeld, Lebenssituation, körperliche und psychische Belastungen) den letzten Auslöser für die Entstehung der Krankheit bildet. Soll heißen: Irgendetwas in unserem Leben ist bisher „unrund“ gelaufen, hat uns krank gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, diese Missstände einmal zu analysieren und – wenn möglich – zu beheben.
Der letztendliche Auslöser der Rheumatoiden Arthritis ist noch nicht identifiziert, ständig identifizieren Wissenschaftler einen weiteren Risikofaktor für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen. Vermutlich ist es die Kombination aus verschiedenen Faktoren, die diese Erkrankungen auslöst.
Das gesamte Leben einmal genau unter die Lupe zu nehmen, scheint mühselig, lohnt sich aber. Dass wir eventuell genetisch disponiert sind, „Opfer“ einer Autoimmunerkrankung zu werden, mag sein und das können wir wohl auch nicht ändern. Ob aber die Krankheit bei uns tatsächlich ausbricht und wenn ja, in welchem Maße, ist scheinbar eben doch eine Frage unserer Umgebung, unserer Lebensweise und psychischen Situation. Autoimmunerkrankungen sind bisher nicht heilbar, wir behalten sie ein Leben lang. Wie stark sie aber zum Tragen kommen, wie stark sie unseren Alltag bestimmen, das hängt von vielen Faktoren ab, die wir hier nur einmal anreißen wollen (Details siehe unsere Artikel): Auf den Prüfstand gehören:
Psychische Situation in Beruf und Privatleben
Als möglichen Auslöser vernachlässigt man gern die Psyche, dabei wird die Rheumatoide Arthritis zu den klassischen anerkannten psychosomatischen Erkrankungen („Holy Seven“) gezählt. Wenn auch rheumatische Erkrankungen eindeutig körperliche (somatische) Erkrankungen sind, so muss der Ursprung das nicht zwingend auch sein. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass rheumatische Beschwerden sich oft in stressigen Situationen finden, bedingt durch beruflichen Stress, Erziehungs- oder Eheprobleme, Trennungen, Lebenskrisen wie dem Tod einer nahe stehenden Person oder in Schwellensituationen wie dem Übergang von Kindheit zu Pubertät oder von Pubertät zum Erwachsenen.
Depressionen und Ängste machen psychisch krank. Hoffnungslosigkeit, Pessimismus oder Unfähigkeit, die eigene Krankheit zu verarbeiten, wirken sich negativ auf deren Verlauf aus. Hat man die Erkrankung erst einmal, so schränkt man oftmals aus Schmerz- oder einfach Angstgründen Aktivitäten ein, die Körper und Psyche dringend benötigen zum Aufbau von Muskeln, zum Abbau von Spannungen.
Der Wissenschaftszweig der Psychoneuroimmunologie (kurz PNI) befasst sich mit psychosomatischen Zusammenhängen, der Wechselwirkung zwischen Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem. Grundlage der PNI ist die Erkenntnis, dass unser Geist (das Zentrale Nervensystem) über Nerven- und Hormonreize (Botenstoffe) mit dem Immunsystem kommuniziert und umgekehrt. Die Nervenzellen des Gehirns senden Signale aus, die eine Infektionsabwehr verstärken oder vermindern können. Sie produzieren biochemische Substanzen wie Hormone und Botenstoffe, die der Immunabwehr dienen.
Besonders Stress ist ein gutes Beispiel, wie sich die Psyche auf den Körper auswirken kann. Stress beeinflusst Immunfaktoren nachgewiesenermaßen negativ. Unter Stress lässt sich ein Absinken des Levels von Immunglobulin A im Speichel nachweisen und eine vermehrte Ausschüttung von Glukokortikoiden. Kortikosteroide hemmen die Zytokin-Produktion und mindern die Wirkung von T- und B-Lymphozyten und natürlichen Killerzellen. Als Folge des geschwächten Immunsystems steigt die Infektionshäufigkeit.
Leiden Sie unter dem sogenannten Burnout-Syndrom, unter Depressionen oder extremen Gefühlsschwankungen? – Wenn ja, wie lange halten diese an? Lassen Sie sich helfen. Besprechen Sie sich mit einem Psychotherapeuten, der Ihnen helfen wird, schädigende Lebenssituationen zu identifizieren und der Ihnen Lösungswege aufzeigen wird. Womöglich ist hier Ihre Bereitschaft erforderlich, wichtige Dinge in Ihrem Leben zu ändern. Sind Sie dazu bereit?
Setzen Sie auf Entspannung! Autogenes Training, Yoga oder Selbsthypnose können Ihnen helfen, in einem stressigen Umfeld einen kühlen Kopf zu bewahren!
Körperliche Belastung
Arbeiten Sie in einem körperlich belastenden Beruf? Haben Sie Möglichkeiten des Ausgleichs und Muskelaufbaus?
Physio- und Ergotherapie sind stark empfohlen für Patienten mit Rheumatoider Arthritis (sogar gemäß aktueller Leitlinie), wenn auch nicht in allen Fällen automatisch vom behandelnden Mediziner verschrieben. Regelmäßige sportliche Betätigung kann helfen, Ihre Beschwerden zu lindern.
Ernährung Was ist falsch an meiner Ernährung?
Stellen Sie möglichst unverzüglich auf vegetarische oder weitestgehend vegetarische Ernährung um. Es ist nachgewiesen, dass ein hoher Anteil an essentiellen Fettsäuren (mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren) und ein niedriger an tierischen Fetten (vor allem an Arachidonsäure) zu weniger Beschwerden beiträgt. Machen Sie Schluss mit dem Rauchen, Nikotin verschlimmert nicht nur Ihre Symptome, sondern steht auch im Verdacht, selbst Risikofaktor bei der Auslösung von Rheumatoider Arthritis zu sein!
Eine Ayurveda-Kur oder eine Fastenkur können Ihnen helfen, Ihre Ernährung umzustellen und in einem entspannenden Umfeld neue Wege zu beschreiten. Nehmen Sie sich eine Auszeit!
Jetzt steht der Termin beim Rheumatologen an...
Einen Termin beim Rheumatologen sollten Sie unbedingt einhalten und sich anhören, was er zu sagen hat. Haben Sie erfolgreich Missstände in Ihrem Leben identifizieren können? Sind Sie bereit, aktiv dagegen vorzugehen und haben vielleicht schon erste Erfolge erzielt? Wenn es Ihnen nach Umstellung einiger wichtiger Eckdaten in Ihrem Leben gelungen ist, eine Besserung der Symptome zu erzielen, was hält Sie davon ab, es weiter zu versuchen? Erkundigen Sie sich bei Ihrem Rheumatologen nach den Medikamenten, die Sie erwarten könnten und entscheiden Sie selbst, ob Sie den Empfehlungen der Leitlinien in allen Punkten folgen möchten oder nicht. Leitlinien, nach denen Ihr Rheumatologe höchstwahrscheinlich vorgehen wird, sind Empfehlungen. Sie sind nicht binden, weder Patient noch behandelnder Arzt sind verpflichtet, bestimmte Basistherapeutika zu verschreiben bzw. einzunehmen
Es ist Ihre Gesundheit und Sie haben die Wahl!.
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Interessante eigene Artikel zu diesem Thema
„Leitlinien – Wegweiser oder Fessel für unsere Ärzte?“ (unter Beiträge / Rheuma Medizin)
„Wundermittel Methotrexat?“ (unter Beiträge / Rheuma Medizin)
„Rheuma – auch eine psychosomatische Erkrankung“ (unter: Beiträge / Rheuma Psychologie)
Quellen und weiterführende interessante Links zum Thema Rheuma
Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. / AWMF online http://www.awmf-leitlinien.de/ und (http://leitlinien.net/).
Artikel im Ärzteblatt bzgl. möglichem Missbrauch der Leitlinien als Arbeitsanweisung http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=45479
Artikel im Ärzteblatt „Erhöhtes Melanomrisiko unter Methotrexat“ http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=32598,
http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/druginfo/meds/a682019.html
Zitat aus „Methotrexate – Important Warning“ ein Warnblatt herausgegeben von MedlinePlus (einem Dienst der US National Library of Medicine and the National Institutes of Health“ der US Regierung. „Methotrexat kann schwere Nebenwirkungen haben. Einige Nebenwirkungen können zum Tode führen. Sie sollten Methotrexat nur nehmen, um lebensbedrohlichen Krebs oder andere schwere Krankheiten zu behandeln, die nicht mit anderen Medikamenten behandelt werden können“. (Original: “Methotrexate may cause very serious side effects. Some side effects of methotrexate may cause death. You should only take methotrexate to treat life-threatening cancer, or certain other conditions that are very severe and that cannot be treated with other medications. Talk to your doctor about the risks of taking methotrexate for your condition”.)
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