| Die Fünf Tibeter - Stimulation der Chakras |
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Eigentlich eine Bewegungsübung, wirbt die Idee der „Fünf Tibeter“ mit fernöstlichen Yoga-Praktiken sozusagen für den Hausgebrauch. Die Fangemeinde wächst ständig an, doch auch Kritiker treten auf den Plan. Sie bezweifeln den angeblich tibetischen Ursprung, betrachten die „Fünf Tibeter“ losgelöst von dem spirituellen Gedanken als reine Dehnübung Kritik „Die Fünf Tibeter“ sind bekannt, erfolgreich und ungeheuer gewinnbringend. Kein Wunder also, dass sich neben der Zahl der Anhänger auch die Zahl der Kritiker mehrt. Wenn sich soviel Geld mit einer gymnastischen Übung machen lässt, wenn eine Art „Lebensweisheit“ dermaßen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt wird, dann bleiben genauere Untersuchungen über den Ursprung dieser Theorien einfach nicht aus. Gut so, finden wir. „Die Fünf Tibeter oder das alte Geheimnis der Quelle der Jugend“ erscheint 1989 im Integral-Verlag. 10 Jahre später, im Jahre 1999, übernimmt der Scherz Verlag und veröffentlicht das Buch „Die Fünf „Tibeter“ – Das alte Geheimnis aus den Hochtälern des Himalaja lässt Sie Berge versetzen“. Die Kritik an der „Echtheit“ der „Fünf Tibeter“ ist groß. Unstimmigkeiten treten nicht nur auf bei der Suche nach dem angeblichen Original Verleger (Harry R. Gardener von Midday Press), der Orginalveröffentlichung an sich („Eye of Revelation“ von 1939), dem Schriftsteller (Peter Kelder) und dem Titelheld (Colonel Bradford), nein, auch die Riten und die Darstellung derselben führt in weiten Kreisen zu einiger Kritik. http://www.welt.de/print-welt/article590267/Suche_nach_dem___Buch_aus_dem_Nichts_-_Teil_1.html Auffallend ist die Parallele zu einer in ähnlicher Zeit entstandener Veröffentlichung. Ein Buch des Schriftstellers James Hilton aus dem Jahre 1933 mit dem Namen „Lost in Tibet“ (deutscher Titel damals „In den Fesseln von Shangri-La“, auch bekannt unter „Irgendwo in Tibet“), veröffentlicht von Frank Capra im Jahre 1936/37, nicht beruhend auf Tatsachen, sondern Ergebnis freier Erfindung, beschreibt ähnliche wundersame Verjüngungen in einem Kloster im Himalaya. http://de.wikipedia.org/wiki/Der_verlorene_Horizont Groß ist der Einfluss von Geld und Tourismus. So groß, dass man zwecks Förderung des Tourismus gern auch Gegenden einfach umbenennt (in das werbewirksamere „Shangri-La“), nur weil dieser Name eben in einem Buch und daraufhin in zahlreichen Liedern Erwähnung findet und zum Inbegriff einer wundersamen Verjüngung wird. http://de.wikipedia.org/wiki/Shangri-La. Vielleicht ist es auch einfach nicht im allgemeinen Interesse, die „Fünf Tibeter“ als Farce zu entlarven. Auch die Rahmengeschichte rund um den greisen Colonel Bradford, der mit dem Erscheinungsbild eines 30 - 40Jährigen vital auftritt und tibetische Weisheiten verbreitet, scheint frei erfunden zu sein. Zumindest aber scheint Schriftsteller Peter Kelder, der sich auch als Drehbuchautor betätigte, nicht der wirkliche Gesprächspartner dieses Colonels gewesen zu sein (was die „Ich“-Erzählung vermuten ließe). Aber eine persönliche Note und Einzelschicksale verkaufen sich eben doch um einiges besser als ein Trainingsprogramm so ganz ohne historischen oder privaten Bezug. Frappierender wäre es sicherlich, wenn die fünf Riten so gar keinen Bezug zum tibetischen Yoga hätten (http://en.wikipedia.org/wiki/Five_Tibetan_Rites). Kritiker bemängeln, dass die Riten den tibetischen Ideen widersprächen und in Tibet gänzlich unbekannt seien. Außerdem sei es – allem voran – unvorstellbar, dass tibetische Mönche (ganz besonders nicht im Jahre 1939) geheime Yoga-Praktiken unterrichteten und ihre spirituellen Praktiken mit Menschen aus dem Abendland zu teilen bereit gewesen wären. Die Unstimmigkeiten in Bezug auf die (angebliche) Lehre sind laut diesen Kritikern wie folgt:
Lösen wir uns daher einmal von der zugegebenermaßen großen Faszination, die Yoga auf uns Europäer ausüben kann, vor allem von der geheimnisvollen Aura, die Yoga zu umgeben scheint, weil uns Abendländlern so ganz der Bezug hierzu zu fehlen scheint. Vergessen wir also mal das Drumherum und auch die sagenhafte Verjüngung und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Die klassische Medizin betrachtet „Die Fünf Tibeter“ wenn nicht als Jungbrunnen, dann doch zumindest als wertvolle Entspannungsübung, als eine von vielen möglichen isometrischen Übungen, die dazu dienen sollen, steife Muskeln und Gelenke zu strecken und den Muskeltonus zu verbessern. Die sieben Chakras laut „Die Fünf Tibeter“ Lassen wir die Authentizität einmal dahin gestellt. Laut „Die Fünf Tibeter“ hat der Körper 7 Energiezentren, ähnlich wirbelnden Kraftfeldern, sogenannte Chakren. (Wie schon erwähnt, sprechen tibetische Yogi eigentlich von nur 5 Chakren, die nicht die Form von Wirbeln aufweisen, aber das soll hierbei mal hinten angestellt werden). Diese Energiewirbel regieren die sieben Hormondrüsen des endokrinen Systems, die wiederum alle körperlichen Funktionen beeinflussen. Die sieben Chakren gemäß „Die Fünf Tibeter“ sind demnach:
Im gesunden Körper dreht sich (laut „Fünf Tibeter“) jeder dieser Wirbel mit hoher Geschwindigkeit und lässt die Lebensenergie durch das endokrine System aufwärts fließen. Bei gesunden Menschen ragen diese Wirbel über die Körperoberfläche hinaus, bei älteren und kranken Menschen nicht mehr. Laut „Die Fünf Tibeter“ sollen die genannten 5 Riten helfen, die Wirbel wieder zum Drehen zu bringen und zwar alle gleich schnell. Einige Übungen sind leichter, andere wieder schwerer durchzuführen.
Der „Erste Tibeter“ Aufrecht und fest stehen, die Beine etwa schulterbreit auseinander. Dann leicht in die Knie gehen und die Hände aneinanderlegen. Dann Arme ausbreiten, und rechts herum drehen. Anschließend (nach mehreren Drehungen) wieder die Ausgangsposition einnehmen. Ein Schwindelgefühl kann weitestgehend vermieden werden, wenn man sich vor dem Drehen auf einen Punkt konzentriert, den man erst bei letztem ultimativem Wegdrehen aus den Augen lässt und nach Drehen des Kopfes sofort wieder anvisiert. Das Drehen soll den Fluss der vitalen Lebensenergie beschleunigen, darf aber nicht zu stark ausgeführt werden, da es sonst zu einer Blockade der Lebensenergie kommen kann.
Der „Zweite Tibeter“
Flach auf dem Boden liegen (auf einer gepolsterten Unterlage als Schutz gegen die Kälte), Gesicht nach oben, Arme neben dem Körper, Handflächen auf den Boden, Finger eng zusammen. Dann Heben des Kopfes, des Kinns, an die Brust. Gleichzeitig Heben der gestreckten Beine (mit hochgestellten Füßen) in eine senkrechte Position. Der Rücken bleibt am Boden. Langsames Absenken von Kopf und Beinen, entspannen und wiederholen. Der Zeitpunkt des Atmens ist bei dieser Übung sehr wichtig:. Beim Heben wird tief eingeatmet, beim Senken tief ausgeatmet. Der „Fünfte Tibeter“
Laut Buch müssen die Haltungen nicht perfekt ausgeführt werden, die Perfektion kommt mit Konditionssteigerung durch die Übungen. Anfangs sollte jeder Ritus 3mal hintereinander ausgeübt werden, bevor man zum nächsten Ritus übergeht, gesteigert werden soll die Zahl je Ritus allmählich auf 21mal. Der gesamte Zeitaufwand beträgt also ca. 10 – 20 Minuten am Tag. Alle Riten sind laut Buch gleich wichtig. Der „Sechste Tibeter“ Ein weiterer streng geheimer sechster Ritus rundet das Bild ab. Er soll der Steigerung der Regenerationsenergie dienen und bleibt angeblich denen vorbehalten, die sich in ein selbstgewähltes Zölibat begeben. Dabei ist von Bedeutung, dass der Anwender einen Sexualtrieb hat, dessen Energie er mittels Bewegungsübung „zu einem höheren Nutzen“ umleiten kann. Der sechste, sicherlich seltener praktizierte, wird in dem Buch quasi als ultimative Quelle der Jugend des „Colonel“ genannt. Auch dieser Ritus ist eine Bewegungsübung. Laut Wikipedia lässt sich hinter dieser Übung für Yoga-Interessierte die Übung Uddiyana Bandha erkennen http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Tibeter Für diese Übung aufrecht hinstellen, alle Luft aus den Lungen entweichen lassen. Leicht nach vorn beugen, Hände auf die Knie. Luft rauspressen, mit leeren Lungen in aufrechte Position zurückkehren. Hände auf die Hüften, nach unten drücken, Schultern werden nach oben geschoben. Bauch einziehen, Brust anheben. Stellung halten, so lange es geht. Luft dann durch Nase einströmen lassen, durch den Mund aus. Beim Ausatmen Arme an den Seiten baumeln lassen. Mehrfach einatmen (egal wie). Damit wird die sexuelle Energie umgeleitet und aufwärts gelenkt. Über die reine Bewegungsübung hinaus Bei Bewegungsübungen machen die „Fünf Tibeter“ nicht halt. Ernährungstipps sind ebenfalls Bestandteil einer erfolgreichen Therapie. So soll laut Theorie die Vielfalt an Nahrungsmitteln auf ein Minimum gesenkt werden, strenge Trennkost wird gefordert. Um nur einige Punkte zu nennen: Kohlenhydrate und Fleisch sollen beispielsweise nie zu derselben Mahlzeit gegessen werden, Kaffee und Tee nur schwarz genossen werden, wenn überhaupt, auf Alkohol und Nikotin soll verzichtet werden, die Ernährung sollte fett- und zuckerarm sein und reichlich Wasser beinhalten. Es wird auf ausreichendes Kauen von Nahrungsmitteln hingewiesen. Der Verzehr eines rohen Eigelbs pro Tag unmittelbar vor oder nach dem Essen ist ein Muss. Laut und Klang haben für die Yogis einen großen Stellenwert. Auch „Die Fünf Tibeter“ kommen nicht ohne Erwähnung der Urschwingung „OM“ aus. So wird laut „Fünf Tibeter“ der OM-Laut gern genutzt, um die Stimme zu senken und den Energiewirbel am Hals zu beschleunigen (was darüber hinaus den Energiewirbel im Sexualzentrum beschleunigen soll und somit den Fluss der Lebensenergie steigern). Abweichend von den „Fünf Tibetern“ (die mehr ein Oh-mmm intonieren) wird dieser Urlaut gewöhnlich wie folgt beschrieben: Die Urschwingung manifestiert sich zuerst als Klang bzw. Ton. Wenn er sich verdichtet, nimmt er Gestalt an und wird zu Materie. Die heilige Silbe OM ist Ausdruck dieser Urschwingung (langsam gesprochen klingt es wie A – U – M). Der Klang beginnt mit Öffnen des Mundes. Ganz hinten in der Mundhöhle entsteht das A, dann wandert die Schwingung in den Gaumen, wo das U vibriert und schließlich verklingt die Silbe mit dem Lippenschluss des M. Der Kreis, den das OM vom A bis zum M umschließt, ist die Schöpfung selbst. Die Bedeutung als Buchstabe oder Schriftzeichen ist dabei unerheblich, es geht ausschließlich um die Kraft der Urschwingung. Das „verlorene“ Kapitel der „Fünf Tibeter“ (aus dem Jahre 1947, angeblich gefunden in der Privatsammlung des Autors) beschäftigt sich mit den Mantrams, einem weitaus delikateren Thema als es reine Bewegungsübungen sind. Laut Lexikon ist ein Mantra ein Instrument des Geistes und eine kurze formelhafte Wortfolge, die meist wiederholt rezitiert wird – und zwar sprechend, flüstern, singend oder lautlos im Geiste. Die heilige Silbe OM zählt zu den einsilbigen Keim-Mantras, die speziell in Meditation und Zeremonie verwendet werden und nach hinduistischer Lehre auch auf das jeweilige Energiezentrum (Chakra) wirken können. OM ist das bekannteste Bija-Mantra, das alle anderen Mantras enthält. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Mantras um Kernaussagen bzw. Merksprüche, die traditionell in ihrer Ursprungssprache (Sanskrit) lauten. Die „Fünf Tibeter“ sprechen von sogenannten „Mantrams“, die dagegen in der Geburtssprache formuliert werden (ähnlich wie in der Selbsthypnose) und die Formulierung von Wünschen sind, die zu unserem persönlichen Ziel (Glück, Wohlstand, Kraft) führen sollen, indem sie auf unser „Überbewusstsein“ wirken. Das Thema „Mantra“ ist weitaus komplexer, als wir Laien es hier darzustellen vermögen. Wer sich genauer darüber informieren möchte, den bitten wir, sich im Internet bzw. der einschlägigen Literatur eingehender zu vertiefen. Fazit Es ist schon verführerisch. Die Idee der „Fünf Tibeter“ macht eine komplizierte Welt des Yoga scheinbar nutzbar auch für den europäischen Hausgebrauch, losgelöst von jeglichem religiösen bzw. spirituellen Bezug. Die Welt der buddhistischen oder Hindu Meditation scheint dermaßen kompliziert, dass es Laien wie uns schwer fällt, die sogenannten „Fünf Tibeter“ mit irgendeiner existierenden Richtung zu vergleichen oder möglicherweise erfundene Hintergründe zu entlarven. Die Vermischung von angeblich neuen Weisheiten aus „den Fünf Tibetern“ mit weltweit seit langem anerkannten und bekannten Praktiken aus anderen Bereichen (OM-Meditation) kompliziert die Spurensuche weiter. Das Geschäft mit den Tibetern, die womöglich gar keine sind, geht gut. Bücher, Audio-CDs, DVDs, Seminare, Kongresse – das öffentliche Interesse an diesem Thema ist groß und ungebremst. Wer Authentizität wünscht, sollte wohl sicherheitshalber Rat bei einem qualifizierten Yoga-Lehrer suchen. Aber sind wir mal ehrlich – wem schadet der anhaltende Modetrend eigentlich? Wenn die Beschäftigung mit den Fünf Tibetern bewirkt, dass wir uns auf unseren Körper besinnen, regelmäßig Entspannungs- und Dehnübungen vornehmen, wir unsere Essgewohnheiten einmal genauer unter die Lupe nehmen und uns einmal mehr über unsere ganz privaten Ziele und Wünsche im Klaren werden, indem wir sie zu sogenannten Mantras formulieren, dann hat das Ganze doch sein Gutes. Dehn- und Kräftigungsübungen verbessern selbstverständlich unsere Beweglichkeit und Koordination und geben Sicherheit im Alltag. Sie wirken einseitiger Muskelbelastung entgegen und dienen somit der Vorbeugung und als Begleitmaßnahme gegen bzw. bei Erkrankungen des Bewegungsapparates. Wie man sieht: Wir haben die Übungen einmal versucht (siehe Fotos). Vielleicht sind die Figuren nicht immer perfekt, aber Spaß gemacht hat es allemal!
Vergleich tibetische Riten und die sogenannten „Fünf Tibeter“
Von der Suche nach den Quellen des Buchs „Die Fünf Tibeter“, Artikel von Susanne Schwager, erschienen bei Welt online im November 1999. http://www.welt.de/print-welt/article590267/Suche_nach_dem___Buch_aus_dem_Nichts_-_Teil_1.html |