Floating - ein nicht ganz neuer Wellnesstrend aus den USA

floatingWie ein Fisch im Wasser (wenn es die im Toten Meer gäbe) treiben - das ist der Wellness-Trend, der einst zu uns nach Deutschland „herüberschwappte“. Der Begriff „Floating“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „im Wasser treiben“. Gefloatet wird dabei in konzentriertem Salzwasser in einem sogenannten Floating Tank, ähnlich einer luxuriösen Badewanne mit Deckel. Bei einer Temperatur von ca. 35 °C (je nach Anbieter) treibt man schwerelos an der Wasseroberfläche – untergehen ist dank hoher Salzkonzentration unmöglich.

Sinn und Zweck des Floatings ist die Entspannung pur. Wenn der schalldichte Deckel runtergeht, ist man abgeschottet von der Außenwelt, bei Temperaturen ähnlich der Körpertemperatur sollen die Grenzen zwischen Körper und Umgebung im wahrsten Sinne des Wortes „verschwimmen“. In absoluter Dunkelheit (in manchen Einrichtungen auch bei indirektem Licht und sanfter Entspannungsmusik) kann man einmal völlig loslassen von der Hektik des Alltags.

Der Tank ist etwa 2 Meter lang und 1,50 Meter breit, manche auch bis zu 2,80 Meter mal 1,60 Meter (je nach Hersteller).

Irgendwann in den 50er Jahren von einem amerikanischen Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der NASA entwickelt, diente der Floating Tank ursprünglich der Durchführung von Tests zur Untersuchung von Gehirnaktivitäten, wenn der Mensch komplett von Außenreizen abgeschirmt ist und schwerelos treibt. Die Schwerelosigkeit im Weltall sollte damit simuliert werden. Laut Internetrecherchen konnte der Entwickler bei den Testpersonen einen Trance-ähnlichen Bewusstseinszustand beobachten, der irgendwo zwischen Wachen und Schlafen einzuordnen ist. Das menschliche Gehirn reagiert ständig - ob bewusst oder unbewusst - auf Umweltreize. Durch Abschalten dieser Reize gelangt das Gehirn in den Bereich der Tetha-Wellen – ein Zustand ähnlich der Einschlafphase.

Kleiner Ausflug in den Bereich der Gehirnaktivitätsmessung:

Mittels EEG (Elektroenzephalografie) lässt sich die elektrische Aktivität des Gehirns ermitteln. Gemessen werden Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche. Warum Spannungsschwankungen? Die Zustandsänderungen der Gehirnzellen tragen zur Informationsverarbeitung des Gehirns bei. Die Ströme, die durch die einzelnen Neuronen erzeugt werden, addieren sich auf, über den gesamten Kopf verteilt sich die Spannungsschwankung.

Grob kann man unterscheiden zwischen folgenden Frequenzen:

Delta-Wellen (< 4 Hz): Vorkommen in der traumlosen Tiefschlafphase
Theta-Wellen (4 – 8 Hz): Vorkommen in der leichten Schlafphase
Alpha-Wellen (8 – 13 Hz): Vorkommen im entspannten Wachzustand bei geschlossenen Augen
Beta-Wellen (> 13 Hz)): Vorkommen im Wachzustand bei geöffneten Augen
Gamma-Wellen (> 30 Hz): Vorkommen bei starker Konzentration oder Lernprozessen

Phänomene wie Vertex-Wellen, Schlafspindeln, K-Komplexe sind hier nicht weiter aufgeführt.

Ziel bei der Entspannung ist es, das Gehirn darauf zu trainieren, leicht in den Bereich von Theta- und Alpha-Wellen hinüberzugleiten. Lernforscher gehen davon aus, dass das Gehirn bei Theta-Wellen die gewohnten Bahnen verlässt, es zur Kreativitätssteigerung, Meditation und Tiefenentspannung kommt und Alpha-Wellen ein Zeichen für Aufnahmefähigkeit, Merkfähigkeit, Kreativität und Intuition sind.

Der Entwickler geht so weit zu behaupten, dass bei losgelöstem Körper mit völlig entspannter Muskulatur der Geist überaus aktiv bleibe. Tiefste körperliche und geistige Entspannung wirke sich Blutdruck-normalisierend und stressmindernd aus. Außerdem käme es zur Normalisierung des Blutdrucks und zur Schmerzlinderung auch bei rheumatischen Beschwerden.

Weiterentwicklungen der ursprünglichen Idee

Der ursprüngliche Floating-Tank setzte auf völlige Reizlosigkeit – nach dem amerikanischen Vorbild. Für einige Menschen scheint aber die totale Dunkelheit und Stille eher bedrückend zu sein. So bieten die Betreiber heute Beleuchtung durch indirekte Lichtquellen (von unten aus dem Wasser) und Entspannungsmusik (ebenfalls aus dem Wasser kommend) an. Statt der isolierten Single-Tanks für nur eine Person, kann der Kunde heute in manchen Einrichtungen wählen zwischen Paartanks oder gar Floating-Areas für viele Personen. Ob die Wirkung dieselbe ist wie im reizlosen Einzeltank, sei einmal dahin gestellt.

Massagen (ob Ganz- oder Teilkörpermassagen) nach dem Floaten runden das Angebot sogenannter „Floatcenters“ ab und sollen die Entspannung noch weiter steigern.

Die Inhalation von 100%igem Sauerstoff an der sogenannten „Sauerstoffbar“ (ein weiterer Trend) – soll ein weiterer „Kick“ sein - munter machen, unser Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit steigern, unser Immunsystem stärken, unsere Regenerationsfähigkeit erhöhen und uns von innen heraus strahlen lassen. Die Idee hinter dieser Sauerstoff-Kurzzeitkur ist schon etwas älter und geht darauf zurück, dass der Sauerstoffanteil in unserer Atemluft und in unserem Wasser in den vergangenen Jahrzehnten stetig gesunken ist, der Anteil an giftigen Substanzen stetig ansteigt und nicht zuletzt unser Atemgebahren sich mehr und mehr zum Nachteil verändert hat. Die Vorteile einer Sauerstoff-Intensiv-Kur dagegen bleibt weiter umstritten.

Ablauf des Floatings

Vor dem Floaten wird ausgiebig geduscht – denn wer möchte schon gern den Dreck seines Vorgängers im Tank abbekommen? Das Floaten dauert dann für gewöhnlich 1 Stunde (je nach Anbieter können es auch 2 Stunden sein). Im Anschluss an das Floaten wird wieder geduscht, um nicht eine Salzkruste mit nachhause zu nehmen. Eine Massage und gegebenenfalls Sauerstoffinhalation (wenn nicht schon während des Floatens genossen) nimmt zwischen 15 und 60 Minuten in Anspruch.

Epsom-Salz – der Stoff, aus dem die Träume sind

Das Floatwasser ist etwa 20 bis 25 cm tief, der Tank enthält ca. 500 bis 600 Liter Salzwasser. Die Temperatur im Tank schwankt (34,8 bis 35,4 °C) – je nach Herstellerempfehlungen (und Hersteller gibt es viele – siehe unten).

Verantwortlich für den Auftrieb, der uns im Wasser schweben lässt „wie einen Korken“, ist das sogenannte Epsom-Salz bzw. Epsomit (wegen seines bitteren Geschmacks auch als Bittersalz bezeichnet). Epsomit ist ein Hydrat des Magnesiumsulfats, benannt nach seinem ersten Fundort Epsom in England. Sein vollständiger Name lautet Magnesiumsulfat-Heptahydrat (Summenformel: MgSO4 7H2O). Epsomit dient im Allgemeinen zum Appretieren oder als Flammschutzmittel für Textilien, als Beize in der Färberei und auch als Abführmittel. Es ist – wie erwartet – wasserlöslich, verwittert aber auch schnell an der Luft.

In der Alternativmedizin wird Epsom-Salz schon seit längerem zur Behandlung von Hautkrankheiten und Gelenkbeschwerden eingesetzt. Für Rheumatiker findet Epsom-Salz Verwendung als Badezusatz, sei es für Vollbäder oder Teilbäder wie Fuß- und Handbad von betroffenen Gelenken. Hitze, Wasser und Zusatz regen die Durchblutung an und sollen Schmerz lindern und der Versteifung von Gelenken entgegen wirken. Durch Absorption von Teilen des Magnesiumsulfats soll sich eine entzündungshemmende Wirkung ergeben. Arthritis und Arthrose Betroffene empfinden das Floaten im Tank daher – so wird gesagt – als äußerst angenehm und hilfreich für die Entspannung und Stressminderung. Angenehmer Nebeneffekt: Bei Zugabe von Epsom-Salz kommt es auch nach langen Bädern nicht zu der gewohnt „schrumpeligen“ Haut.

Totes-Meer-Salz ist das aber nicht. Zum Vergleich: Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt im Durchschnitt zwischen 27 und 33 % (Mittelmeer: 3 %). Die Zusammensetzung dabei ist wie folgt: 50,8 % Magnesiumchlorid, 14,4 % Calciumchlorid, 30,4 % Natriumchlorid und 4,4 % Kaliumchlorid. Nur spezielle salztolerante Mikroorganismen und Pflanzen können übrigens bei diesen Extrembedingungen überleben – Fische leider nicht, weshalb unser Vergleich leider hinkt…

Gegenanzeigen

Floaten sollte man nicht bei Epilepsie und Bluthochdruck bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Offene Wunden darf es nicht geben, kleine Kratzer o.ä. können vor dem Floaten mit einer Fettcreme behandelt werden, damit sie nicht schmerzen. Vom Personal wird peinlichst genau darauf geachtet, dass Menschen mit ansteckenden Krankheiten den Tank nicht benutzen - schon in Hinsicht auf Hygiene und mögliche Ansteckungsgefahr für andere Nutzer. Unter Einfluss von Drogen, wie auch Alkohol, sollte kein Floatingversuch unternommen werden, da die eigene Körperwahrnehmung dann zu stark gestört ist. Menschen mit psychischen Störungen, sollten ebenfalls auf das Floaten verzichten.

Positive Wirkungen laut Anbieter

Die Liste der positiven Auswirkungen, die das Floating haben soll, ist lang – und noch ungeprüft:

  • Tiefenentspannung und Stressbewältigung
  • Verbesserte Bewältigung von Suchtproblemen
  • Antidepressiv – wegen Ausschüttung von Glückshormonen (Endorphinen)
  • Normalisierung des Blutdrucks
  • Aktivierung der Selbstheilungskräfte und Stärkung des Immunsystems
  • Förderung der Kreativität und Leistungssteigerung
  • Schmerzlinderung bei chronischen Leiden
  • Erleichterung gegen Ende der Schwangerschaft (endlich mal wieder schwerelos)
  • Gute Wirkung bei verschiedenen Hautkrankheiten (Salzwasser) wie Neurodermitis und Akne

Fazit

In Zeiten der steigenden Hektik und des Zeitmangels für die „wesentlichen Dinge“, haben sich immer mehr Anbieter das Wort „Entspannung“ auf die Fahne geschrieben. Klar und völlig unumstritten ist die Tatsache, dass sich Ruhe und Entspannung positiv auf unsere Gesundheit auswirken, dass die Beschäftigung mit uns selbst und mit unserem Körper erforderlich sind, um in stressigen Situationen leistungsfähig und belastbar zu bleiben. Wen wundert es, dass Unternehmen versuchen, aus diesem Gebiet „Wellness“ Kapital zu schlagen?

Dass dieses Verfahren selbst bei der NASA eingesetzt wurde, verleiht dem Ganzen eine herrlich seriöse Note, mit der nicht viele Wellness-Anbieter punkten können – und die daher auch wirklich jeder Floating-Anbieter anpreist.

Floaten, das ist teuer. Die Betreiber lassen es sich etwas kosten, uns hektikgeplagte Menschen einmal so richtig zu verwöhnen und – sei es auch nur für 1 bis 2 Stunden – in das Reich der Träume zu befördern. Als Geburtstagsgeschenk mag das ein netter Gag sein – aber wer kann es sich leisten, wöchentlich oder gar häufiger in das Reich der Wasserwesen abzutauchen?

Wir denken: Sofern man es nicht übertreibt, und das Floaten mit einer Therapie gleichzusetzen versucht, kann es wieder einmal niemandem schaden, es zumindest einmal mit dieser Form der Entspannung auszuprobieren. Einige von uns können nun einmal nicht in der eigenen Badewanne oder auf dem Sofa bei gedämpftem Licht und rieselnder Musik abschalten.


Hersteller von Floating-Tanks weltweit:

Aqua Floataris  Germany  www.aqua-floataris.com
Elysium  Hungary  www.floatelysium.com
Finders  England  www.findershealth.com
Floataway  England  www.floataway.com
Float Tank Australia - Apollo  Australia  www.floattank.com
Izame - Floater  Spain  www.izame.com
Koan Float  Netherlands  www.koan-float.com
Oasis  USA California  www.oasisrelaxation.com
Ocean Floatrooms  England  www.oceanfloatrooms.com
Planetspa  Germany  www.planetspa.de
Relaxier  Germany  www.relaxier.de
Samadhi Tank Co.Inc.  USA California  www.samadhitank.com
Think Tank Int. - Pathfinder  Singapore  www.thinktank.com.sg


Quellen und interessante weiterführende Links zum Thema Rheuma:

Definition Floating laut Lexikon http://de.wikipedia.org/wiki/Floating

Technische Details eines Floating-Tanks anhand Angaben des Entwicklers, Dr. John C. Lilly „Das Tiefe Selbst“ von der Website Dr. Jörg Auf dem Hövel in Hamburg- http://www.joergo.de/tank/tdself.htm  - geben auf der Website auch Standorte aller deutscher Floatarien in einer Google Map an und Tipps für den interessierten Nutzer oder möglichen Betreibers eines Floatcenters.

Link zum Float Store in Berlin http://www.float-store.de/floaten.html

Link zum floathouse in Frankfurt http://www.floathouse.de/floaten/

Link zur Vereinigung der Floater: http://www.floatationfederation.com/manufactures.html

Beschreibung von Epsomit laut Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Epsomit

Verwendung von Epsomit traditionell: http://lexikon.meyers.de/meyers/Magnesium

Epsom-Salz bei Arthritis und Arthrose: http://arthritiscures.us/epsom-salts-as-an-arthritis-cure/epsom-salts-as-an-arthritis-cure.htm